Schweizer Querschnittgelähmte des Jahres 2011

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QS_2011_Jakober-Joggi-Burgunder_klein_Sie wurden für ihr großes Engagement zu Gunsten anderer Rollstuhlfahrer ausgezeichnet: Eva Burgunder aus Mariastein/SO und Josef Jakober aus Küssnacht am Rigi/LU. Die Ehrung der „Querschnittgelähmten des Jahres“ fand am traditionellen Adventskonzert im Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) Nottwil statt. Ob in Beruf, Familie, Politik, Sport, Kunst, Wirtschaft oder für das Gemeinwohl: Die Auszeichnung ist für Menschen im Rollstuhl bestimmt, die in ihrem Leben Außergewöhnliches geleistet haben. Bereits zum 19. Mal hat die Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) das Schaffen von zwei Querschnittgelähmten gewürdigt. Für die Auswahl zuständig war eine fünfköpfige Jury.

Eva Burgunder, Leichtathletin mit Herz

„Rund 37 Jahre liegen zwischen heute und der schicksalshaften Unglücksfahrt“, beginnt Dr. Guido A. Zäch, Gründer und Ehrenpräsident der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, seine Laudatio und erzählt weiter: „Am Abend des 15. Juni 1974 geriet das Auto von Eva Burgunder auf der Straße in einem Waldstück ins Schleudern. Sie wurde vom Beifahrersitz hinaus geschleudert und prallte mit voller Wucht gegen einen Baum.“

Die Folgen des Unfalls waren schwerwiegend: Bruch der Brustwirbelsäule und Schädigung des Rückenmarkes. Damals war sie gerade 19 Jahre alt. Es folgten zahllose plastisch-chirurgische Eingriffe im Gesicht und ein hartes Rehabilitationsprogramm. Ihr Berufswunsch Krankenschwester konnte nie in Erfüllung gehen. Sieben Jahre lang wollte sie ihren Rollstuhl nicht akzeptieren. Dank Physiotherapie und Sporttraining fand sie ihre frühere Bewegungsfreudigkeit langsam aber sicher wieder.

Die Erfolge blieben nicht aus: Schweizer Meisterschaften, Europa- und Weltmeisterschaften in verschiedenen Leichtathletik-Disziplinen, die Paralympics … und alles immer unter dem Motto: Eine Medaille als Minimalziel. Sport war ihre Welt. Als kaufmännische Mitarbeiterin fand Eva Burgunder in einer Treuhandfirma eine Stelle, die ihr gefiel. In den Jahren 1983 und 1986 bekam sie ihre Töchter Tina und Sarah. Der Sport trat etwas in den Hintergrund, die Familie war ihr neues Leben.

Danach folgten schwierigere Jahre. Eva Burgunder erlebte noch einmal die Schattenseiten des Daseins: Trennung, alleinerziehende Mutter im Rollstuhl mit heranwachsenden Teenagern und bald auch finanzielle Sorgen, weil ihre Stelle wegen Umstrukturierungen gestrichen wurde. Eva Burgunder kam an ihre Grenzen. Doch unterkriegen ließ sie sich nie.
Liebevoll wird sie heute 'Schwester Lotti' genannt. Diesen Namen hat Eva Burgunder für ihre unermüdliche Hilfsbereitschaft gegenüber anderen Rollstuhlfahrern erhalten.“
Seit 15 Jahren arbeitet Eva Burgunder für die Stiftung Pro Rehab in Basel im Stiftungssekretariat und lebt in Mariastein/SO.

Josef Jakober, der Mann, der den 'Swiss-Trac' erfand

Heinz Frei, Präsident der Gönnervereinigung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung und Stiftungsrat hielt die Ehrenrede zur Wahl von Josef Jakober: „Es war auf einer Ferienreise in Tirol. Sie sollte zu einem Meilenstein im Leben von Josef Jakober werden. Jakober hatte eine Leihgabe eines Zuggerätes für seinen Rollstuhl mit dabei, welches ihm in den Bergen einen gewissen Aktionsradius ermöglichen sollte. Weil er mit dem Gerät unzufrieden war und der Hersteller auf seine Anregungen nicht eingehen wollte, nahm er sich des Problems kurzerhand selbst an. Als Techniker und Ingenieur traute er sich diese Weiterentwicklung zu. Der Rest ist bekannt: Der 'Swiss-Trac' wurde zum Erfolgsmodell und Fahrhilfe für tausende Rollstuhlfahrer.“

Dass Jakober überhaupt solche Geräte entwickelte, ist auf den 15. Mai 1976 zurückzuführen. Nach einem Deltasegelflug von der Rigi nach Immensee geschah es: Wegen einer Windböe missriet die Landung. Jakober verletzte sich schwer und ist seither querschnittgelähmt. Er musste seinen Beruf als Maschinenmechaniker aufgeben. Zusammen mit einem Tetraplegiker-Kollegen gründete er ein eigenes Unternehmen. Sie kreierten einen Rollstuhl mit Steckachsen für die Räder an Stelle der mühseligen Schrauben.

Auch die Entwicklung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung liegt Josef Jakober am Herzen. Er setzte sich als Rollstuhlfahrer wiederholt mit großem Engagement für das Werk der Stiftung ein. Josef Jakober ist verheiratet und Vater von Zwillingen. Er lebt mit seiner Familie in Küssnacht am Rigi.

Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung

Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung wurde 1975 von Guido A. Zäch gegründet. Sie gehört heute zu den größten gemeinnützigen Werken des Landes. Die Schweizer Paraplegiker-Gruppe umfasst ein integrales Leistungsnetz für Querschnittgelähmte. Die Verknüpfung lückenloser Dienstleistungen von der Unfallstelle über die medizinische Versorgung, Rehabilitation bis zur lebenslangen Betreuung und Beratung gilt als einzigartig. Rund 1,5 Millionen Menschen sichern mit ihrer Zugehörigkeit zur Gönner-Vereinigung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung eine tragfähige finanzielle Basis für die Tätigkeit dieses Solidarwerks. Rund 1.300 Mitarbeiter setzen sich täglich für die Erfüllung ihrer anspruchsvollen Aufgaben ein. www.paranet.ch

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