Baue dich auf, bevor du abgebaut wirst!
Autor: Redaktion 14. Februar 2012
In Triptis (Thüringen) soll vom 19. bis 23. Mai ein Prothesencamp für Beinamputierte den gezielten Bewegungsaufbau buchstäblich "auf den Weg bringen". Fünf Tage lang bewegen sich die Teilnehmer "auf dem Parcours der Natur", auf Feld- und Waldwegen, nach einem genau festgelegten Programm. In kleinen Schritten wird die Leistung Tag für Tag unmerklich erhöht. Auch die Entspannungszeiten, gewürzt mit Gesprächen und Vorträgen, sind genau eingeplant.
Die im Herbst eröffnete erste Thüringer Gehschule im Sanitätshaus Rosenau, Triptis, wird sich mit Unterstützung von Gehschultrainerin Manuela Soyka ebenfalls einbringen. Unter der Anleitung des geübten oberschenkelamputierten Wanderers Roland Zahn, der mit seiner Prothese über 1.000 Kilometer von Leipzig nach Tübingen gelaufen ist (siehe „Bewegung hilft“ RehaTreff 3/2011), soll als Ziel für die Teilnehmer eine Laufleistung von fünf Kilometern am Tag erreicht werden. „Das ist eine Zielsetzung, die man alleine zu Hause nur sehr schwer erreichen kann. In der Gemeinschaft mit Mitbetroffenen haben die Teilnehmer jedoch realistische Erfolgsaussichten“, meint Roland Zahn. Fernziel soll sein, sich im Alltag mehr zu bewegen und diese Trainingszeit zu Hause zu halten.
Prävention für die Zukunft
„Amputierte Menschen müssen laufen! Das ist dringender als bei Zweibeiner, um die sonst unweigerlich auftretenden Probleme nicht zu begünstigen“, fasst Roland Zahn seine persönliche Erfahrung zusammen. Mit einer Amputation, so der Aktivist, sei die Funktion, die die Geh-Bewegung für die Gesunderhaltung des Körpers habe, nicht plötzlich hinfällig geworden. Solange noch die entsprechenden Muskeln vorhanden seien, könne der Abbau noch verhindert werden. Regelmäßiges Gehen sei also als Prävention besonders wichtig. Zudem erhalte man auf diese Weise ohne Rezept und ohne Kosten ein Training für Körper, Geist und Psyche!
Nach Zahns Beobachtung ist es der Kopf, der damit beginnen muss. Man brauche also die Erkenntnis über Zusammenhänge, Zutrauen, Erfahrungsaustausch sowie den eigenen ersten kleinen Schritt. Roland Zahn hat die Hindernisse erlebt, die sich ohne ausreichende Information in den Weg stellen: "Als ich bereits fast ein Jahr lang im Rollstuhl saß, hatte ich trotzdem noch nicht begriffen, was das Wichtigste für mich ist: das Laufen! Es gab in meinem Kopf eine Blockade, die ich nicht bemerkte.
Ich kannte ja auch noch keine anderen Einbeiner, die mir wichtige Tipps geben konnten. Der Rollstuhl unterstützte meine Bequemlichkeit und Trägheit.“
Positiver Einfluss auf den gesamten Körper
Durch den Anstoß einer Bekannten wurde ihm diese Erkenntnis überhaupt möglich. Heute ist Roland Zahn ein echter Bewegungsfan: „Wenn ich zusammenhängend mehr als eine Stunde gehe, da atme ich viel tiefer. Der vermehrte Sauerstoff wirkt auf den gesamten Kreislauf und verbessert den Stoffwechsel, die Nahrung und das Fett werden besser verbrannt und in neue Energie verwandelt. Viel und regelmäßige Bewegung hält die Gelenke beweglicher und die Knochen stabiler. Kräftigere Muskulatur erzeugt straffen den Körper. Viele Menschen fühlen sich dadurch attraktiver. In der Natur und mit Freunden zusammen steigt die Lebensqualität.
Aber: Man muss sich dieses Wohlfühlprogramm selbst verordnen."
Wer also bereits mehr als 30 Minuten zusammenhängend gehen kann und sich weiter aufbauen möchte, der sollte sich anmelden: Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation e.V., Geschäftsstelle, Kleverkamp 24, 30900 Wedemark; Fax: 089 / 4161740-90; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. Anmeldeschluss ist der 18. März.
Wanderung von Berlin nach München
Dieses Camp ist nicht die einzige Unternehmung, die Roland Zahn rund um das Thema „Wandern“ anbietet. Ab dem 26. Februar befindet er sich mit seiner Aktion "Bewegung hilft" auf dem Weg von Berlin nach München - über 2.000 Wander-Kilometer. Ein sicherlich recht ungewöhnliches Vorhaben, das in dieser Ausdehnung wohl kaum jemand plant, erst recht nicht mit Prothese.
Auch auf dieser Wanderung wird Bewegungsaufbau für interessierte Mitwanderer angeboten. „Diese moderate Bewegungsform des Wanderns wird niemanden überfordern“, meint Zahn. "Ruft mich einfach an, immer am Vorabend eurer ausgewählten Tagesstrecke, zwischen 18 und 20 Uhr. Egal, wie viele Beine ihr habt!"
Dieser Aufforderung können Sie bis Mitte Oktober nachkommen und zwar unter den Mobilfunknummern 0163/4895613 oder 0151/58264176. Im Internet finden Sie Tagesberichte und Hintergründe sowie genaue Hinweise zum Mitwandern unter www.amputiert.net/bewegunghilft.










