Der Traum der Inklusion

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Schüler mit Down-Syndrom aus Bonn findet erst nach Monaten Platz an weiterführender Schule

 

sven_beschSven will auf eine weiterführende Schule – aber keine Schule will Sven. So sah die Situation monatelang aus. Die Eltern warteten, beschwerten sich, suchten, diskutierten, hofften auf Hilfe und schalteten schließlich eine Rechtsanwältin ein. Dann endlich, Mitte Juni, meldete sich eine Gesamtschule aus Bonn bei ihnen: Es gäbe jetzt doch einen Platz für Sven. Die Geschichte eines Kräfte- und Nerven zehrenden Weges hin zur Erfüllung des Traums von der Inklusion.
Dieser Weg begann bereits mit dem Kindergarten: „Wir haben damals die integrative Kindertagesstätte Spatzennetz in Bonn mitbegründet, in der Sven der erste Junge unter drei Jahren mit Behinderung war, und wir sind in verschiedenen Vereinen engagiert“, sagt Susanne Meier, die Mutter von Sven. Dennoch komme es ihr so vor, als würden sie trotz allen Engagements immer wieder gegen eine Wand laufen.


Die Grundschulzeit verbrachte Sven in einer integrativen Klasse im Bonn. Doch nach dem vierten Schuljahr, als alle Kinder schon zugeteilt waren und sich auf die weiterführende Schule freuten, stand Sven – wie auch ein weiteres Kind aus seiner Klasse mit sonderpädagogischem Förderbedarf – ohne Platz da. Im Verhältnis ist der Anteil der integrativen Plätze auf weiterführenden Schulen geringer als der an Grundschulen. Die Beueler Gesamtschule beispielsweise verteilt ihre jährlich zwölf integrativen Plätze über ein Losverfahren. Manche Schüler mit Behinderung blieben dadurch bislang ohne integrativen Schulplatz. Die Eltern mussten dann auf einen Platz in der Förderschule ausweichen. Doch das soll künftig nicht mehr so sein. Durch die UN-Konvention, die seit 2009 die Rechte von Menschen mit Behinderung in Deutschland stärkt, ändert sich das Verfahren in diesem Jahr: Die Schulen in Bonn kommen dem Elternwillen nach, wer einen Platz möchte, soll diesen auch bekommen.
So die Theorie. Leicht und schnell ging dies dann allerdings nicht. „Wir haben uns an allen Gesamtschulen beworben, waren zu Vorstellungsgesprächen und haben uns darauf gefreut, dass Sven bald in Bad Godesberg oder Beuel auf die Gesamtschule gehen wird, die ihm beide beim Besuch gut gefallen haben“, sagt seine Mutter, Susanne Meier. Dann bekam die Familie aber nur Absagen und wurde vertröstet, dass es einige Zeit in Anspruch nehmen werde, bis ein Platz für Sven gefunden sei. Das Suchen, Finden und Zuweisen der Kinder könne sich bis in die Sommerferien hineinziehen, heißt es in einer E-Mail des Schulamts der Stadt Bonn. So lange wollte Susanne Meier nicht warten. Die Mutter von zwei Kindern schaltete eine Rechtsanwältin ein, um den Platz für ihren Sohn einzuklagen.
Auf Nachfrage hieß es im März vom Schulamt der Stadt Bonn, dass für die zwei Kinder mit Behinderung, die noch keinen Platz an einer weiterführenden Schule gefunden haben, in den kommenden Wochen oder Monaten Plätze geschaffen werden sollen. „Die beiden Schüler der Bodelschwingh Schule werden einen Platz auf einer der Gesamtschulen bekommen“, so Christoph Schürmann vom Schulamt. Dies habe die Bezirksregierung Köln in einer Sitzung mitgeteilt.
Im Juni endlich war es dann soweit: Sven hat den Schulplatz an einer weiterführenden integrativen Gesamtschule bekommen. „Die Förderschule wäre keine Option für uns gewesen“, sagt Svens Mutter. „Wir wollen, dass Sven in einem ganz normalen Umfeld aufwächst.“ Immer wieder müssen sich die Meiers jedoch rechtfertigen, warum sie ihren Sohn nicht auf eine Förderschule schicken wollen, selbst bei der Inklusionsbeauftragten der Stadt Bonn.
„Von den Förderschulen führt der Weg meist direkt in die Werkstätten“, sagt Susanne Meier. Doch sie ist überzeugt, dass es viele andere Arbeitsmöglichkeiten für Sven gäbe – zum Beispiel in einem Restaurant oder einer Jugendherberge, in denen teilweise heute schon Menschen mit Down-Syndrom arbeiten.

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