Fußball im Elektrorollstuhl

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail

Powerchair„Diese spannungsgeladene Sportart kombiniert das Können des Rollstuhlfahrers mit der Geschwindigkeit und der Kraft des Rollstuhls zu einem extrem herausfordernden Spiel“ – so fasst die Association of Irish Powerchair Football (der irische Verband des Elektrorollstuhl-Fußballs) in ihrer Informationsbroschüre den Reiz dieser Sportart kurz zusammen. Was sich schon auf dem Papier spannend liest, ist auf dem Spielfeld noch aufregender.

Powerchair Football (PCF) ist ein Wettbewerbssport für Elektrorollstuhl-Fahrer und wurde als so genannter „Unisexsport“ konzipiert, d.h. männliche und weibliche Spieler spielen zusammen Fußball. Jedes Team besteht dabei aus vier Spielern, deren Rollstühle mit Fußschutzgittern für den Angriff ausgestattet werden, um den Ball ins Tor schießen zu können. PCF wird nämlich – abgesehen von kleinen Regelergänzungen –  wie regulärer Fußball gespielt. Als Spielfeld dienen hierfür Sporthallen oder Basketballfelder.

Die Geschichte des PCF

Powerchair Football ist der erste Sport, der spezifisch für Elektrorollstuhl-Fahrer entwickelt wurde. Diese Form des Fußballs wurde zuerst in Frankreich in den 1970er Jahren gespielt. Unabhängig davon entstand in Kanada eine ähnliche Sportart namens „Power Soccer“, die sich bis in die Vereinigten Staaten und Japan verbreitete, während in Belgien, Portugal und der Schweiz wiederum der so genannte „Wheelchair Football“ nach eigenen Regeln gespielt wurde. Bis 2005 entwickelten sich so verscheiden Varianten ein- und desselben Spiels, bis auf Initiative Frankreichs schließlich Repräsentanten der unterschiedlichen Länder in Paris zusammen kamen, um allgemeinverbindliche Spielregeln aufzustellen und so internationale Wettbewerbe organisieren zu können. Mit Erfolg: 2007 fand die erste Weltmeisterschaft der FIPFA (Federation Internationale De Powerchair Football Assiociation) mit acht teilnehmenden Nationen in Japan statt. Inzwischen wird Powerchair Football in vielen Ländern sowohl regional als auch national gespielt.

 PCF in Irland

In Irland ist die Association of Irish Powerchair Football  (AIPF) die leitende Organisation für den PCF-Sport. Gegenwärtig gibt es sechs Clubs und acht Teams in Dublin, Limerick, den Midlands, Cork/Kerry und Belfast –  das entspricht ungefähr 50 regelmäßigen Spielern. Neue Teams werden gerade aufgestellt, denn erklärtes Ziel der AIPF ist es, die Teilnahme am Powerchair Football für alle irischen Elektrorollstuhl-Fahrer möglich zu machen. Schon jetzt organisiert und leitet der Verband verschiedene Wettbewerbe in Irland. Jeden Sommer gibt es zum Ende der Saison beispielsweise einen AIPF Pokal sowie eine Meisterschale zu gewinnen.

PCF Weltmeisterschaft

Momentan ist für die irischen PCF-Spieler eine besonders spannende Zeit angebrochen, denn gemeinsam mit neun anderen Nationen tritt die grüne Insel im November 2011  in Paris bei der Weltmeisterschaft an.  Schon im Januar vergangenen Jahres begann Irland ernsthaft mit den Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft und wählte bei einem Qualifikationsspiel an der Universität von Limerick acht Spieler für seine Nationalmannschaft aus. Einer von ihnen ist Emmet Daly. Er verrät im Interview, was für ihn die Faszination am Powerchair Football ausmacht.

Interview: "Ich liebe das Adrenalin!"

76909_Geschickt manövriert Emmet Daly den Fußball um seine Gegner. Noch ein letzter Blick. Schuss. Und … Ball versenkt! Emmet lässt sich von den Zuschauern feiern. Der 26-Jährige aus Kilcormac, Grafschaft Offaly in Irland, sitzt wegen einer angeborenen Gelenksteife (Arthrogryposis) im Elektro-Rollstuhl. Vor zwei Jahren hat er Powerchair Football als Sportart für sich entdeckt. Jetzt wird er Irland bei der Powerchair Football Weltmeisterschaft in Paris als Spieler der Nationalmannschaft repräsentieren. „Dadurch geht ein Traum von mir in Erfüllung!“, verrät er. Und trotzdem: Für den Behindertensport müsse in Irland noch so einiges getan werden, fordert er im Interview mit RehaTreff:

RT: Emmet, wie bist du eigentlich mit Powerchair Football in Kontakt gekommen?

Emmet: Ich wurde von Vertretern der Offaly Sportgesellschaft angesprochen. Sie haben damals in unserer Grafschaft ein Powerchair Football Team zusammengestellt und haben mich gefragt, ob ich nicht Interesse hätte, mir das Spiel mal anzusehen – und das hatte ich!

RT: Was für Fähigkeiten muss man als guter Powerchair Football Spieler besitzen?

Emmet: Man braucht vor allen Dingen mentale Fähigkeiten: Es ist wichtig, jedes Spiel besonders konzentriert zu verfolgen, um immer schon im Voraus zu ahnen, welche Strategien die gegnerische Mannschaft wohl verfolgen wird. Auf diese Weise kann man früh genug in ihr Spiel eingreifen. Ich glaube nicht, dass man irgendwelche besonderen körperlichen Fähigkeiten braucht. Powerchair Football kann eigentlich jeder spielen, der einen elektrischen Rollstuhl bedienen kann.

RT: Und welche Fähigkeiten zeichnen dich als besonders guten Sportler aus? Du bist ja einer der Spieler, die Irland im November bei der Weltmeisterschaft in Frankreich vertreten dürfen.

Emmet: Hhhhm, vermutlich dass ich teamfähig bin und dadurch auch ein super Mannschaftsspieler bin. Ich kann auf dem Spielfeld gut mit meinen anderen Mitspielern kommunizieren und glaube, dass ich den Spielverlauf immer ganz gut einschätzen kann. Als ich mit dem Powerchair Football angefangen habe, wusste  ich sofort: Diesen Sport möchte ich auf internationalem  Niveau betreiben. Dass ich jetzt bei der Weltmeisterschaft spielen darf, bedeutet, dass mein Traum in Erfüllung gegangen ist!

RT: Was gefällt dir am Besten am Powerchair Football?

Emmet: Ich liebe einfach den Adrenalinstoß, den mir das Spiel gibt!  Außerdem gefällt mir, dass es eine Sportart gibt, an der ich teilnehmen kann: Powerchair.

Testimonial