Shoppen bis die Räder glühen?
Autor: Verena Zimmermann 09. September 2011
„The Freedom to Shop - When and Where you Want!” (Die Freiheit einzukaufen – wann immer und wo immer Sie möchten!), lautet das Motto von „Shopmobility” in Irland. Die Idee ist genauso simpel wie genial: Shopmobility ist ein kostenloser Leih-Service von Rollstühlen, elektrischen Rollstühlen und Scootern. Dieser Service richtet sich an mobilitätseingeschränkte Personen oder Menschen, die in den großen Shopping-Malls lieber auf einen elektrischen Rollstuhl umsteigen möchten, da sie mit ihrem unmotorisierten Rollstuhl keine langen Wege fahren können.
Mobilität als Schlüssel zur Teilhabe
Die Idee zum Shopmobility entstand in den 1980ern in Großbritannien. Das Konzept verbreitete sich anschließend so schnell wie ein Lauffeuer, sodass 1990 schließlich ein nationaler Shopmobility-Verband gegründet wurde. Vor zehn Jahren kam die Idee schließlich auch nach Irland. Dort wurde der Service von der „Disabled Drivers Association of Ireland“ (dem Verband der Rollstuhlfahrer in Irland) eingerichtet und ermöglicht seitdem Menschen mit permanenten oder temporären Mobilitätsbehinderungen den selbständigen Zugang zu Shopping-Centern. „Die Idee hinter dem Leihservice passt gut zu dem Ethos der Disabled Drivers Association, denn unser Fokus lag schon immer auf Mobilität als Schlüssel zur aktiven Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am alltäglichen Leben“, meint Kenneth Fox, Vorstandschef der „Disabled Drivers Association of Ireland” (DDAI).
3000 Nutzer in vier Shopmobility-Zentren
Gerade mit der Einführung von riesigen Shopping Malls nach amerikanischem Vorbild ist es in Irland für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit immer schwieriger geworden, an vielen Bereichen der Freizeitgestaltung aktiv teilhaben zu können, denn in den Malls kann man nicht nur einkaufen gehen. Sie sind vor allen Dingen gigantische Freizeittempel mit Fitnesszentren Kinos, Galerien und Cafés. Deshalb greift Shopmobility den Inklusions-Gedanken auf, indem der Rollstuhl-Leihservice dafür sorgt, dass dem Mall-Besuch allein, mit Familie oder Freunden nichts mehr im Wege steht. Mit dem Liffey Valley Shopping Centre im Westen Dublins, dem Dundrum Shopping Centre im Süden Dublins, sowie dem Mahon Point Shopping Centre in Cork und dem Whitewater Shopping Centre in Newbridge gibt es Shopmobility mittlerweile in den größten Shopping-Malls Irlands. Die vier Shopmobility-Einkaufszentren haben schon jetzt mehr als 3.000 registrierte, und davon 1.200 regelmäßige Benutzer. Diesen stehen vor Ort verschiedene Rollstühle zur Verfügung, über die sie von den verantwortlichen Mitarbeitern eine kurze Einführung in Fahrsicherheit und die Technik des Gerätes erhalten.
Ungebunden und selbstbestimmt
„Shopmobility richtet sich an jeden, der in seiner Mobilität eingeschränkt ist - egal ob alt oder jung, ob im Bewegungsradius durch Verletzungen, Behinderungen oder altersbedingte Krankheiten eingeschränkt“, erklärt Kenneth Fox. Die Vorlage eines Behindertenausweises ist daher nicht nötig, um den Service in Anspruch nehmen zu können. Um den Leihservice zu nutzen, muss man sich lediglich unter Vorlage seines Ausweises bei Shopmobility mit Unterschrift anmelden. So erhält man eine Mitgliedskarte, die man dann jedes Mal vorzeigt, wenn man mit Shopmobility einkaufen möchte. Anschließend steht die Ausrüstung den Einkaufenden dann für bis zu vier Stunden zur Verfügung. „In dieser Zeit können unsere Nutzer dank Shopmobility ganz einfache Dinge des täglichen Lebens erledigen, wie z.B. ihre eigene Kleidung oder ein Geburtstagsgeschenk aussuchen, und natürlich persönliche Angelegenheiten mit ihrer Bank, dem Anwalt, oder anderen Ämtern in Ruhe, ungebunden, und vor allem selbständig erledigen“, erklärt der Vorstandschef der DDAI. Die Nutzer wüsten das sehr zu schätzen, erläutert er. Erst vor kurzem habe einer der Nutzer ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert: Er hat den Service zum 500. Mal in Anspruch genommen
Die Idee ist gut, die Praxis ausbaufähig
Doch leider erreicht der Slogan „Shop till you drop!“ (Shoppen Sie bis zum Umfallen!) noch bei weitem nicht jeden Menschen mit Mobilitätsbehinderung: „Da Shopmobility bisher nur in den größten Einkaufszentren Irlands angeboten werden kann, nehmen viele Menschen Anfahrtswege von bis zu 200 Kilometern auf sich, um unseren Leihservice zu nutzen.“, gibt Kenneth Fox zu. Shopmobility möchte seinen Service gerne weiter national ausbauen und sucht immer nach neuen Einkaufszentren mit entsprechenden Voraussetzungen. Die Entwicklung des Leihservices an anderen Standorten hängt aber immer auch von dem Investitionswillen und der Unterstützung der Unternehmer und Geschäftsführung ab.
„Das Bereitstellen der benötigten Mittel und das Finden von passenden Räumlichkeiten sind momentan unsere größten Hürden“, so Fox. Immerhin kostet jede der vier Shopmobility-Einheiten trotz Subventionen der Einkaufszentren und der großzügigen Spenden der Nutzer jedes Jahr etwa 30-35.000 Euro, die aus dem Fonds der Disabled Drivers Association bereitgestellt werden. „Wir möchten, dass der Shopmobility -Service für die Nutzer selbst kostenlos bleibt, denn Forschungsergebnisse haben ohnehin schon ergeben, dass die Lebenshaltungskosten für Menschen mit Behinderungen in Irland im Durchschnitt um 20 Prozent höher liegen als bei nichtbehinderten Menschen. Außerdem glauben wir, dass der freie Zugang zu öffentlichen Einrichtungen allen Menschen gewährt werden muss“, sagt er.
Und noch ein weiterer Wermutstropfen bleibt, denn anders als in der Republik Irland, wird der Rollstuhlleihservice in Nordirland so hoch geschätzt, dass die meisten Shopmobility-Einheiten dort bereits von den örtlichen Gemeinderäten finanziert werden. Fazit: Das Motto „The Freedom to Shop - When and Where you Want!” ist bis jetzt also leider nur bedingt gültig. Die Idee ist gut, aber das Shopmobility-System selbst ist noch ausbaufähig.










