Barrierefreie Herbstferien

Im Zoo in Landau gibt es exotische Tiere zu bestaunen.

Für Familien waren die vergangenen Monate nicht leicht. Besonders Kinder mit Behinderungen mussten zurückstecken, durften lange nicht zur Schule, nicht zur Therapie, nicht zum Verein. Langsam kehrt auch für sie schrittweise ein wenig Alltag zurück. Und damit die Aussicht auf einen erholsamen Familienurlaub. Die Arbeitsgemeinschaft Leichter Reisen, ein Verbund von zehn Regionen und Städten in Deutschland, der sich für barrierefreien Tourismus stark macht, hat schöne, individuelle Ferienerlebnisse für den Herbst zusammengestellt.

Bergbaugeschichte im Lausitzer Seenland erleben

Zwischen Berlin und Dresden ist ein spektakulärer Landschaftswandel zu erleben: Eine Bergbauregion wird zum Urlaubsparadies, verlassene Tagebaue zu klaren Seen mit Sandstränden, Fahrradwegen und Kanälen. Es ist ein Jahrhundertprojekt – und bald ist es abgeschlossen. Dann werden auch die letzten Tagebaue verschwunden und Europas größte von Menschenhand geschaffene Wasserlandschaft vollendet sein.

Der lange Weg vom Bergbaurevier zum Wasserparadies wird spielerisch auf der 37 Kilometer langen Rätselradtour „Auf den Spuren der Bergmänner und Seemänner“ erlebbar. Sie führt um den Geierswalder und den Senftenberger See. Die beiden asphaltierten, flachen und breiten Seerundwege sind ideal für Fahrten mit dem Handbike, Rollfiets oder Tandem. Der über 100 Jahre alte, barrierefrei gestaltete Ostdeutsche Rosengarten Forst mit 900 Rosensorten, alten Bäumen und einem Dornröschenspielplatz bietet eine individuelle Entdeckertour für Familien an.

In den Museen der Region gehen Familien auf Zeitreise: Am 16. Oktober öffnet die Energiefabrik Knappenrode, in der einst Kohle zu Briketts gepresst wurde, nach einem umfangreichen Umbau ihre Türen für Besucher. Ein taktiles Wegeleitsystem führt blinde und sehbehinderte Gäste durch die multimediale Dauerausstellung. Rollstuhlfahrer können einen barrierefreien Aufzug nutzen, um einen Rundumblick über das Lausitzer Seenland zu genießen.

Wandern von Moor zu Moor im Ruppiner Seenland

Nördlich von Berlin verbirgt sich ein weiteres Wasserparadies, das Ruppiner Seenland mit 170 Seen und über 2000 Kilometern Wasserwanderwegen. Viel zu entdecken gibt es vor allem auf dem zwölf Kilometer langen Erlebnispfad „Von Moor zu Moor“, der auf einem Teilstück auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist. Informationstafeln und Mitmachmodelle an acht Stationen erklären die Besonderheiten von Mooren. Im Naturparkhaus Stechlin können Familien ihr Wissen zum Naturpark vertiefen. In der barrierefreien Erlebnisausstellung dürfen Kinder mit Waldtieren telefonieren und ein Ameisenvolk besuchen. Im Sinnesgarten ist Anfassen, Riechen und Schmecken ausdrücklich erlaubt.

Inmitten von Wald, Wiesen und Feuchtgebieten befindet sich der Tierpark Kunsterspring unweit der Fontanestadt Neuruppin. Familien mit Kindern, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, nutzen die beiden barrierefreien Rundgänge. Zur Zeitreise ins Land der Dinosaurier lädt der für Rollifahrer zugängliche Tier-, Freizeit- und Saurierpark Germendorf ein.

Vögel beobachten im Fränkischen Seenland

Das Fränkische Seenland, südwestlich von Nürnberg, ist mit sieben Seen und artenreichen Naturschutzgebieten ideal für Natur- und Tierbeobachtungen am Wasser. Das war nicht immer so. Vor 50 Jahren waren an der Stelle der Seen noch Felder und Hopfengärten. Dann kam der Beschluss, die Stauseen zu bauen, um den trockenen Norden Bayerns mit ausreichend Wasser versorgen zu können. Mit den Seen entstand ein Eldorado für Wassersportler, Badegäste und seltene Tierarten.

Besonders beeindruckend ist die Vogelinsel im Altmühlsee, ein Naturschutzgebiet, das fast die Hälfte der Seefläche einnimmt. Mehr als 300 Vogelarten brüten und rasten hier. Ein für Rollstuhlfahrer zugänglicher Rundweg führt über die Insel und zu einem barrierefreien Aussichtsturm. Im September und Oktober werden regelmäßig natur- und vogelkundliche Führungen angeboten, darunter auch Themenführungen zu Adlern und Zugvögeln.

Mit Lamas durch die Südliche Weinstraße

An der sonnenverwöhnten Südlichen Weinstraße zwischen Pfälzerwald und Rheinebene werden im Herbst aus Esskastanien feine Gerichte gekocht. Romantische Winzerdörfer laden in ihre Höfe und Vinotheken ein.

Zu den eindrücklichsten Familienerlebnissen zählen die Ausflüge mit den Pfalz Lamas. Auf barrierefreien Wegen in Annweiler und Völkersweiler können Kinder im Rollstuhl die genügsamen, geduldigen Tiere begleiten. Tiere aus nächster Nähe beobachten können Familien im Wild- und Wanderpark Südliche Weinstraße. Hier haben 400 Tiere aus 15 europäischen Arten wie das Rotwild, die Bergziege und das Frettchen ein zu Hause. Im Zoo Landau in der Pfalz bekommt man auch exotische Tiere zu Gesicht. Die meisten Wege sind mit dem Rollstuhl befahrbar, am Eingang kann ein Zooführer in leichter Sprache ausgeliehen werden.

In einem Tabakbauernhof des 18. Jahrhunderts entführt das Museum Herxheim nicht nur in die Welt der Zigarren, sondern auch in die der Steinzeitmenschen. Bei Ausgrabungen kamen hier die Reste einer Siedlung der ältesten europäischen Bauerngesellschaft, der Linearbandkeramischen Kultur, zum Vorschein. Die Ausstellungen sind über Fahrstuhl und Hebebühnen auch für Rollifahrer zugänglich. Zu gemütlichen Rundfahrten heißt das barrierefreie Grenzlandbähnchen Gäste willkommen, das zwischen Wissembourg und Schweigen-Rechtenbach am Deutschen Weintor pendelt.

Diese und weitere barrierefreie Ausflugstipps stellt die Arbeitsgemeinschaft Leichter Reisen auf ihrer Webseite vor: www.leichter-reisen.info

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Veröffentlicht in: Nachrichten

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