Die Mode steht im Vordergrund

Mia beginnt als gesunde junge Frau ohne Mobilitätseinschränkung in der Nische „Plus Size“ zu bloggen. Als sie dann plötzlich erkrankt, braucht sie lange, um sich damit zu arrangieren und erlebt ihren Blog und ihr Instagram-Profil als Ort, an dem sie sich weiter gesund fühlen kann.

Der quirlige Lockenkopf mit nationalen und internationlen Wurzeln wirkt in den Instagram-Storys und Blog-Beiträgen immer so, als könne sie keinen Moment stillsitzen. Die junge Frau lacht viel, ist kommunikativ und nimmt ihre Fans und Follower bei „IN FAT STYLE“ mit durch ihren bewegten Alltag als Mode-Bloggerin, Teilzeit-Büroangestellte, Ehefrau und Mutter. Was auf den von ihr veröffentlichten Fotos in der Regel nicht zu sehen ist: Mia ist mobilitätseinschränkt. Nur in den Kurzfilmen (Storys), mit denen sie den Followern zusätzliche Einblicke gewährt, sind verschiedene Hilfsmittel hin und wieder zu sehen. Wir haben Mia darauf angesprochen.

Mia, du wirkst sehr selbstbewusst und machst vielen Frauen mit Übergewicht Mut, ihre Kurven modisch in Szene zu setzen. Klassische Ideale aus der Modeindustrie, die nach wie vor überwiegend schmale Modelle zeigt, scheinen für dich nicht richtungs­weisend zu sein. Du strahlst aus, dass dein Körper, so wie er ist, zu dir gehört und richtig ist. Dass du mobilitäts­einschränkt bist, ist hingegen nur selten Thema.

Meine Krankheit bekam ich nach meinem Start als Bloggerin. Ich brauchte sehr lange, um mich damit zu arrangieren und mein Blog und Instagram waren der einzige Ort wo ich mich noch „ohne meine Krankheit“ fühlen konnte. Diesen Ort wollte ich so lange wie möglich für mich behalten, als meine gesunde Welt. Mit meinem immer größer werdenden Bekannheitsgrad stiegen dann die Anfragen für Events und Shootings und ich musste lernen offen damit umzugehen, wenn ich auch diese Erfahrungen mitnehmen wollte. Aus diesem Grund fing ich überhaupt an meine Erkrankung zu kommunizieren. Trotzdem möchte ich keine „Mitleidsfollower“ oder nur Interesse an meiner Einschränkung. Meinen Elektro-Scooter oder die Gehhilfen zeige ich nicht in den Beiträgen, da ich sie als reine Mobilitätshilfen sehe, um von A nach B zu kommen, genau wie mein Auto. Es tut was es soll, aber nichts was ich jedem zeigen muss. Mein Auto ist auf den Bilder schließlich auch nicht zu sehen. Der Fokus liegt klar auf den Outfits, mit denen ich andere inspirieren möchte.

Schränkt dich deine Erkrankung in deinem Arbeitsalltag ein?

Auf meinen Bürojob hat meine Krankheit keine Auswirkungen, auf meine Tätigkeit als Bloggerin hingegen schon. Ich wurde beispielsweise schon ausgeladen, nachdem ich Veranstaltern von meiner Mobilitätseinschränkung erzählt habe. Barrierefreie Locations sind leider immer noch keine Selbstverständlichkeit und gerade die „angesagten“ Veranstaltungsorte haben oft Stufen und keinen Aufzug. Meine Gehbehinderung, eine Krankheit ohne Namen, die zu selten und nicht in der Liste des Versorgungsamts eingetragen ist, gilt im rechtlichen Sinne zudem nicht als Behinderung. Folglich kann ich auch keinen Nachteilsausgleich, wie gesonderte Parkplätze oder Vergünstigungen bei Bussen und Bahnen in Anspruch nehmen, was die Anfahrt zu den Events zusätzlich nicht erleichtert. Ich habe mir da mittlerweile einige Tricks erarbeitet, aber gerade zu Anfang war es ein schwieriges Unterfangen.

Und in Sachen Mode? Wählst du andere Outfits, seit die Gehbehinderung besteht?

Ja, leider musste ich mir allzu kurze Bekleidung abgewöhnen, da sich diese gerade im Sitzen, als Plus Sizer, schnell „verkriecht“. Um dann nicht ständig zu zupfen und zu ziehen, habe ich mir angewöhnt bei Kleidern und Röcken eine bestimmt Länge zu tragen. Alles andere sieht im Stehen ganz hübsch aus, aber im Sitzen eher nicht. Auch bei den Schuhen bin ich umgestiegen und habe mich für andere Modelle, wie beispielsweise Wedges, entschieden. High Heels lassen sich zwar auch sitzend gut tragen, aber zum Stehen auf Fotos oder zum Umsteigen ins Auto sind sie leider zu unangenehm und unpraktisch.

Bei deinem Instagram-Kanal und deinem Blog sind auch Gesundheitsthemen immer wieder präsent. Wie wichtig ist dir das?

Es ist mir ein elementares Anliegen Bewegung in meinen Alltag zu integrieren. Nicht im Sinne von Sport und Anstrengung, sondern um Gesundheitsrisiken abzuwenden und meine Ressourcen stabil zu halten. Mit vielen kleinen Schritten will ich mein Ziel, etwas Gutes für meinen Körper zu tun, erreichen. Das ist ein Teil von meinem Alltag, den ich auch als Bloggerin zeige. Ganz aktuell habe ich mich deshalb an einen Personaltrainer gewendet, der mich in meinen Zielen unterstützt. An diesen Erfahrungen lassen ich andere teilhaben und freue mich auch über den Austausch, der dabei entsteht.

Kontakt: Mia Misini
www.infatstyle.de
E-Mail: info@infatstyle.de
Instagram: infatstyle

 

Wenn schon mit Gehstützen
auf Fotos, dann aber funkelnd.
Für uns hat Mia eine Ausnahme
gemacht und Mobilitätshilfen
in ihr Outfit integriert.
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