„Es ist fast wie fliegen!“

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Vico Merklein gewinnt den 11. Heidelberger Rollstuhlmarathon – Weltrekordmarke verfehlt

HRM_2011_5630Heidelberg. „Jetzt muss ich erst mal ganz dringend auf die Toilette.“ Nach der Zieldurchfahrt hatte es Vico Merklein eilig. „Ich musste eigentlich schon vor dem Rennen, aber da hat es leider nicht mehr gereicht“, lachte der Darmstädter etwas gequält. Egal, denn am Ende war Vico Merklein in der „offenen“ Klasse der strahlende Sieger beim 11. Heidelberger Rollstuhlmarathon (Sonntag, 9.10.11). Nach 1:05,40 Std. war der amtierende Marathon-Weltmeister im Ziel, vor Bernd Jeffrè (Nendorf, 1:05:41,05 Std.) und Arkadiusz Skrzypinski (Polen, 1:0 4:41,25). In der Klasse B siegte Tobias Knecht (Reichhartshausen) in der zweitbesten Zeit des Tages von 1:05:40,80. Bei den Damen gewann Ursula Schwaller aus der Schweiz (1:15:07 Std.) vor ihrer Landsfrau Theres Huser (1:21:34 Std.)..

HRM_Start427Strahlend blauer Himmel begleitete die insgesamt 429 Athleten aus 17 Nationen über den Rundkurs zwischen Heidelberg und Neckargemünd. „Es hat wahnsinnig Spaß gemacht“, erzählt Merklein, „vor allen Dingen der neue Fahrbahnbelag auf dem Abschnitt vor dem Ziel ist ein Traum. Wenn man die Arme zur Seite ausbreiten würde, müsste man Angst haben abzuheben“. Mit Spitzengeschwindigkeiten von fast 60 km/h „flogen“ die schnellsten Athleten über die Strecke. Für einen neuen Marathon-Weltrekord hat es dennoch nicht gereicht. Bei 1:01:07 Std. „raste“ der zu diesem Zeitpunkt führende Niederländer Mischa Hielkema über die Zeitmatte rund 2,5 km vor dem Ziel und verfehlte den Weltrekord von Vico Merklein damit um gut eine Minute. Am Ende wurde Hielkema in seiner Schadensklasse Vierter. „Wir sind eben im Oktober und damit am Ende einer langen Saison, da geben die Kräfte langsam nach“, entschuldigte Errol Marklein vom „Team sopur“ die Fahrer.

Beeindruckende Leistungen bekamen die vielen Tausend Zuschauer entlang der Strecke trotzdem zu sehen. Denn das Rennen der knapp 170 Inline-Skater und der „Mobifanten-Cup“ für Kinder und Jugendliche rundeten das Rennprogramm an der Heidelberger Neckarwiese ab. Mit müden Augen und komplett kaputt saß nach dem 1,5 km-langen Kinderrennen z. B. die 14jährige Sabrina Karhan aus Ludwigshafen in ihrem Rollstuhl. „Ich bin so schlapp, aber ich habe es geschafft – mein erstes Rennen und meine erste Medaille“, freute sich die Nachwuchssportlerin.

Kinder, Hobbysportler und Spitzensportler aus aller Welt – der Heidelberger Rollstuhlmarathon hat auch bei seiner 11. Ausgabe bewiesen, dass er weltweit ein fast eimaliges Event ist. Denn weltweit gibt es neben Heidelberg nur noch zwei weitere Marathonrennen, das eigens für behinderte Sportler ausgerichtet wird.

Rund 400 Bananen und 600 Äpfel und mehrere Hundert Liter Wasser standen nach dem Zieleinlauf für die Sportler bereit, um wieder zu Kräften zu kommen. „Wir sind froh, dass das Wetter so toll mitgespielt hat und das alles gut gegangenen ist“, bilanzierte Veranstaltungschef Joachim Schermuly vom Verein „Heidelberger Rollstuhlmarathon e.V.“ zufrieden. „Wir freuen uns auf das nächste Rennen im Jahr 2013!“ Die Unterstützung der Sponsoren und der Stadt Heidelberg hat Schermuly und sein 15köpfiges Organisationsteam auf jeden Fall. Denn: „Es ist einfach genial, wie motiviert die Sportler bei der Sache sind“, bilanzierte Heidelbergs 1. Bürgermeister Bernd Stadel nach dem Rennen, „ich hoffe es finden noch viele Rolli-Marathons in Heidelberg statt.“

Und beim nächsten Rennen in 2013 wird der diesjährige Sieger Vico Merklein an den Marathon 2011 zurückdenken – und vor dem Startschuss sicher noch mal in aller Ruhe das stille Örtchen aufsuchen.

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