Kliniken optimieren Erstversorgung von Unfallopfern
Autor: Redaktion 09. November 2011
Das neue TraumaNetzwerk Südwürttemberg wurde jetzt offiziell zertifiziert. Es ist Teil der bundesweiten Initiative „Traumanetzwerk“ der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und wird zukünftig zur weiteren Optimierung der medizinischen Versorgung von mehrfachverletzten Unfallopfern beitragen. Die feierliche Überreichung der Zertifizierungsurkunde fand am 8. November in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Tübingen (BG Klinik) statt.
Jedes Jahr gibt es rund 200 lebensbedrohlich mehrfachverletzte Unfallopfer im Raum Südwürttemberg. „Diese Patienten haben alle mehrere gleichzeitig entstandene Verletzungen verschiedener Organsysteme, wobei mindestens eine Verletzung oder die Kombination mehrerer Verletzungen lebensbedrohlich sind“, erklärt Universitätsprofessor Ulrich Stöckle, Ärztlicher Direktor der BG Klinik und Ordinarius für Unfallchirurgie an der Eberhard Karls Universität Tübingen. „Ohne qualifizierte unfallmedizinische Versorgung würden diese Patienten, die im Fachjargon als polytraumatisiert bezeichnet werden, allesamt binnen kurzer Zeit sterben.“
Entscheidend für deren Überleben und spätere Lebensqualität sind die schnelle und präzise Diagnose sämtlicher Einzelverletzungen sowie eine optimierte Versorgung nach standardisierten Qualitätsmaßstäben. Um die Überlebenschancen dieser besonders schwer verletzten Patienten zu verbessern, haben sich elf regionale Kliniken zum TraumaNetzwerk Südwürttemberg zusammengeschlossen. Die beteiligten Krankenhäuser wurden je nach Größe, Ausstattung und Struktur als lokale, regionale oder überregionale Traumazentren klassifiziert. „Lokale Zentren sind die Kliniken Bad Urach, Balingen, Herrenberg, Nagold und Nürtingen, regionale Zentren die Kliniken Calw, Freudenstadt, Reutlingen und Sindelfingen“, berichtet Dr. Jörg Rether, Leiter der Sektion Traumatologie an der BG Klinik, und einer der Väter der neuen Kooperation. „Die BG Klinik Tübingen bildet zusammen mit dem Universitätsklinikum Tübingen das überregionale Traumazentrum dieses Verbundes."
In den lokalen Traumazentren erfolgt nach einem weitgehend standardisierten Ablauf zunächst die Erstbehandlung der Unfallopfer. „Je nach Verletzungsausprägung und den betroffenen Organsystemen wird der Verletzte nach Stabilisierung seines Allgemeinzustandes entweder ins nächste regionale, bei besonders komplexen Verletzungen auch ins überregionale Traumazentrum verlegt oder im lokalen Zentrum weiterbehandelt“, erläutert Rether.
„Der Zusammenschluss im Netzwerk stellt organisatorische und logistische Qualitätskriterien sicher“, betont Stöckle. „Zudem wird so eine standardisierte Patientenversorgung nach modernen Erkenntnissen der Traumatologie gewährleistet.“ Gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen halten alle am Netzwerk beteiligten Akteure auf dem aktuellen Stand der Schwerverletztenversorgung. Stöckle: “In Baden-Württemberg sind neun derartige Netzwerke geplant, davon sind drei bisher zertifiziert.“
Erfolgreiche Zertifizierung
Die Initiative „TraumaNetzwerk“, die die Initialzündung zur Bildung regionaler Traumanetzwerke war, wurde 2004 von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) ins Leben gerufen, nachdem in einzelnen Regionen Defizite im Bereich der Schwerverletztenversorgung erkannt wurden. „Das hieraus entstandene Zertifizierungsverfahren setzt eine Überprüfung jeder Partnerklinik auf Einhaltung der Versorgungsstandards und der erforderlichen strukturellen und personellen Ressourcen voraus“, berichtet Stöckle. „Danach werden die Netzwerkstrukturen und die gegenseitigen Vertragsbestimmungen durch eine Expertengruppe der Fachgesellschaft bewertet. Die Zertifizierung durch eine unabhängige Zertifizierungsstelle stellt den erfolgreichen Abschluss des Verfahrens dar.“
Alle elf Kliniken des südwürttembergischen Netzwerks haben sich in den vergangenen Monaten dieser Überprüfung erfolgreich unterzogen. Dies war die Voraussetzung für die gemeinsame Zertifizierung als Traumanetzwerk. Die feierliche Übergabe der Urkunden fand im Hörsaal der BG Klinik im Beisein hochrangiger Vertreter aller beteiligten Krankenhäuser statt. Das Grußwort des Landes Baden Württemberg überbrachte Medizinaldirektorin Dr. Sabine Schindler vom Sozialministerium Baden Württemberg. Überreicht wurden die Zertifikate von Professor Hartmut Siebert, Generalsekretär der DGU sowie Privat-Dozent Friedrich Thielemann, Mitglied des Arbeitskreises zur Umsetzung der Traumanetzwerke der DGU.
„Wir freuen uns sehr, dass wir mit dem TraumaNetzwerk Südwürttemberg ein flächendeckendes, engmaschiges Netz kompetenter Kliniken für die Erstversorgung und Stabilisierung Schwerstverletzter etabliert haben“, freut sich Stöckle. “Hiermit gewährleisten alle Beteiligten, dass schwerstverletzte Unfallopfer immer die ihrer Verletzung angemessene Behandlung in einem hierauf spezialisierten Zentrum erhalten.“












