Behindertenbeauftragter fordert besseren Schutz für Frauen
Autor: Redaktion 24. November 2011
Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, fordert nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums zur Lebenssituation von Frauen mit Behinderung Konsequenzen. Die Ergebnisse seien erschreckend. „Die alarmierenden Zahlen des Bundesfamilienministeriums belegen, dass Frauen mit Behinderung weitaus häufiger Opfer von Gewalt sind als nicht behinderte Frauen. Sie müssen außerdem oft in völlig unwürdigen Verhältnissen leben“, betont Hüppe in einer Pressemitteilung anlässlich des internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November.
Die vor kurzem in Berlin vorgestellte Studie zur Lebenssituation von Frauen mit Behinderung hat gezeigt, dass diese mit 58 bis 75 Prozent fast doppelt so oft körperliche Gewalt erlebten wie Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt.
Sexuelle Übergriffe seien nach den Studienergebnissen sogar zwei- bis dreimal häufiger vorgekommen. Die Studie offenbarte ebenfalls erschreckende Zustände, insbesondere in Einrichtungen. Über eine eigene Wohnung verfügten laut Studie nur 10 bis 15 % der Bewohnerinnen in Einrichtungen, einem Fünftel stehe nicht einmal ein eigenes Zimmer zur Verfügung.
Die Bewohnerinnen könnten oft nicht einmal bestimmen, mit wem sie zusammenwohnen. Ein Fünftel der befragten Frauen gab an, keine abschließbaren Wasch- und Toilettenräume zu haben. Die Möglichkeit einer festen Paarbeziehung und einer Familiengründung sei laut Studie in aller Regel nicht gegeben. Schwangerschaften der Bewohnerinnen würden mehrheitlich abgebrochen.
„Das sind absolut unwürdige und erschreckende Zustände. Hier sind sowohl die Einrichtungen, die Aufsichtsbehörden wie auch die Kostenträger gefordert, endlich wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Bei Gewalt und sexuellen Übergriffen ist es insbesondere wichtig, die Frau sofort zu schützen und den Täter aus ihrem Umfeld zu entfernen“, betonte der Behindertenbeauftragte. Er begrüßte in diesem Zusammenhang das vom Bundesfamilienministerium geplante Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ und das Projekt von „Frauenbeauftragten“ des Bundesfamilienministeriums und von den Vereinen „Weibernetz“ und „Mensch zuerst“. Im Rahmen des Projektes unterstützen Frauen mit Behinderungen Mitbewohnerinnen in Heimen oder Kolleginnen in Werkstätten, die Gewalt erlebt haben oder fürchten.
Hubert Hüppe erneuerte ebenso seine Forderung nach barrierefreien Frauenhäusern. Dort könnten dann auch Frauen mit Assistenzbedarf aufgenommen werden.
Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Mauerstraße 53, 10117 Berlin. Internet: www.behindertenbeauftragter.de












