"Inklusionsvorgaben als Chance nutzen"
Autor: Redaktion 05. Dezember 2011
Der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung richtet den Fokus auf die politische Dimension der Konventionspolitik. In Deutschland leben 8,6 Millionen Menschen mit anerkannter Behinderung. Für Ilse Müller, Bundesvorsitzende des BDH Bundesverband Rehabilitation, bietet die UN-Behindertenrechtskonvention eine große Chance, gesellschaftliche Akzente zu setzen: „Der 3. Dezember ist eine Gelegenheit, Bilanz zu ziehen und auf die großen Umsetzungsschwierigkeiten der Konventionsvorgaben hinzuweisen. Es ist nötiger denn je, den Finger in die Wunde zu legen, denn wir erleben in unserer täglichen Beratungsarbeit mit unseren Mitgliedern nach wie vor große Defizite bei der Umsetzung der Inklusionsvorgaben.
Dies gilt im besonderen Maße für das Bildungswesen, das vor allem durch Barrieren in den Köpfen der Menschen geprägt ist. Wer vermeiden will, dass die Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention auf lange Sicht zu einem politischen Schönwetter-Thema werden, sollte den Mut besitzen, Bildungsstätten zu integrativen Mustereinrichtungen umzugestalten und damit ein Zeichen zu setzen. Der Verweis auf krisenbedingt knappe Finanzierungs- und Handlungsspielräume ist nicht akzeptabel, sind doch die Missstände in der Konventionspolitik zu offensichtlich. Nach wie vor besuchen beispielsweise deutschlandweit nur etwa 20 Prozent der Schüler mit Förderbedarf eine Regelschule, während die Konventionsvorgabe für ein inklusives Schulsystem eine Quote von 90 Prozent vorsieht.
Wir erwarten von der Politik eine grundlegende Priorisierung der Inklusionsvorgaben, zum Wohle unserer Gesellschaft. Der Prozess erfolgreicher Inklusionspolitik beginnt mit der praktischen Umsetzung moderne Schulmodelle, die gemeinsames Lernen und Zusammenleben behinderter und nicht behinderter Menschen umsetzen. Unsere Gesellschaft sollte die Chance nicht verstreichen lassen, die Werte wie Toleranz und Akzeptanz bieten. Wechselseitig voneinander lernen – das ist ein Modell mit Zukunft. Wir alle sind aufgerufen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein selbstbestimmtes Leben Betroffener fördern, denn ein selbstbestimmtes Leben ist für uns ein unteilbares Menschenrecht.“
Über den BDH Bundesverband Rehabilitation
Der BDH ist die größte deutsche Fachorganisation auf dem Gebiet der Rehabilitation von neurologischen Patienten. Weiterhin bietet der BDH rechtliche Beratung und professionelle Vertretung vor Behörden und den Instanzen der Sozialgerichtsbarkeit sowie ehrenamtliche soziale Betreuung an. Die stationäre neurologische Rehabilitation nimmt einen wichtigen Stellenwert innerhalb des Leistungsangebotes des BDH ein, um Menschen nach einem Unfall oder sonstiger neurologischer und geriatrischer Krankheit Unterstützung auf dem Weg zurück ins Leben zu bieten. In der Trägerschaft des BDH befinden sich heute fünf über ganz Deutschland verteilte neurologische Kliniken. Dazu kommen das Rehabilitationszentrum für Jugendliche in Vallendar und das Neurologische Therapie- und Beratungszentrum Ortenau in Offenburg.












