Neue Wege gehen

Im Zentrum der Rehabilitation heißt es: Geht nicht – gibts nicht!

Paula (Name von der Redaktion geändert), 28 Jahre alt, Schädel-Hirn-Trauma Grad III durch Motorradunfall mit nachfolgendem Koma, Tetraplegie, Dysphagie und PEG. Sie war kognitiv stark beeinträchtigt, hatte wiederholt Krampfanfälle und war inkontinent. Ihre Angehörigen waren völlig überfordert, als sie aus der Rehabilitation entlassen wurde. Sie durften nie bei der Therapie dabei sein und hatten demnach keine Idee, was Paula konnte oder nicht konnte, und wie sie mit ihr umgehen sollten. Paulas Wachheit war stark beeinträchtigt, sie konnte ihre Zunge nicht bewegen, nicht aktiv schlucken, nicht kommunizieren und sich nicht eigenständig bewegen. Zwei Therapeuten vom Zentrum der Rehabilitation in Pforzheim arbeiteten anfangs drei Stunden funktionell-motorisch in aufrechter Position mit ihr. Für bestimmte Übungen wurden bis zu vier Personen benötigt, eine Stunde Lokomat, eine Stunde Logopädie, Essensbetreuung (Geschmacks- und Essversuche zunächst mit stabilen Schäumen, dann mit Espumas etc.), eine Stunde kognitives Training und dann im weiteren Verlauf zur Stabilisierung der Krampfanfallhäufigkeit Neurofeedback auf EEG-Basis und einmal pro Woche Hippotherapie. Die Angehörigen konnten jederzeit zur Therapie dazu kommen und somit auch im Umgang mit verschiedenen Situationen wie Transfers sicherer werden.  Sie lernten, die kognitiven Defizite zu verstehen, eine Kommunikation aufzubauen und natürlicher mit Paula umzugehen. Im Lauf der Zeit erlernte Paula trotz der motorischen Sprechapraxie das Kauen und Schlucken, sodass sie ausreichend Flüssigkeit trinken und die PEG entfernt werden konnte. Für den Aufbau einer Kommunikation übten wir mit ihr zunächst anhand von  Ja-Nein-Fragen, einfache Bedürfnisse zu äußern. Heute kann sie Computerspiele spielen und vorgegebene Wörter schreiben. Auch motorisch hat sie viel erreicht: Sie kann frei sitzen, stehen, mit geringer Hilfe laufen und eigenständig essen. Sie kann ihre Wünsche äußern und ihre Blase kontrollieren und ein eigenständiges Leben führen. Sie lebt mit Assistenz im eigenen Haushalt und benötigt geringe Alltagshilfe beim Duschen und Ankleiden. Der Zeitraum in dem sie das erreicht hat, belief sich auf drei Jahre mit dreimal sechs Wochen pro Jahr Intensivtherapie. Dazwischen hatte sie ambulante Ergo- und Physiotherapie sowie Logopädie vier-mal pro Woche im häuslichen Umfeld.

 

 

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