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Kay Ray

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Kay Ray - Ein Kabarettist und Entertainer mit Mut   schrill - schwul - bunt - laut

Kay_RayWährend der RehaTreff-Leserreise mit AIDAluna zum Nordkap und nach Island haben wir uns kennen gelernt. Am Anreisetag Mitte Juli 2010, erwartete ich die Teilnehmer „meiner“ Gruppe nahe der Rezeption an Bord und da kam ER – klein, zierlich, gekleidet ganz in grau – und checkte ein. Er kam mir gleich bekannt vor, aber das leichte Hinken passte nicht. Doch als ich seine Stimme hörte, wusste ich, wer das war und war gespannt, was er an Bord machte. Drei Tage später war er immer noch der mausgraue Gast, den kaum jemand zur Kenntnis nahm. Ich sprach ihn auf sein Hinkebein an, als er gegen Mitternacht in die Ocean-Bar rauschte, um zu rauchen. Und schwupps, saß er bei mir und einigen Gruppenteilnehmern am Tisch. Es war eine für beide Seiten interessante und amüsante Nacht.
Im Oktober 2011 sah ich seine Show „Haarscharf“ im ausverkauften Düsseldorfer Savoy-Theater. Kay Ray (47) war früher mal Friseur. Am nächsten Morgen trafen wir uns in seinem Hotel. Welch ein Kontrast zu dem bunten Vogel vom Vorabend, der schon vor der Pause in schwarzer Unterhose den Sumo-Ringer gab. Im Gespräch war er wieder der nachdenkliche und kluge Mann, den ich im Vorjahr kennengelernt hatte. Kay_Ray_FriseurTemperamentvoll, aber leise – in zehn Jahren vielleicht sogar weise.

RT: Du bist neulich Vater geworden. Deine Frau ist eine gute Freundin, die Du seit ewigen Zeiten kennst. Was ging im Kopf vor, dass es zwischen Euch plötzlich gefunkt hat?

Kay Ray: Vor zehn Jahren hatte ich einen Magendurchbruch, und vor der zweiten OP hat man meinen Eltern gesagt, dass ich wohl nicht überleben werde. Ich hab’s dann aber doch gepackt und wurde irgendwann total abgemagert nach Hause entlassen. Damals lebte ich mit einem Mann zusammen, der mit der Situation aber völlig überfordert war. So zog meine alte Freundin Vanessa bei uns ein und pflegte mich. In der Zeit hat sie sich in mich verliebt. Als es mir dann wieder gut ging, fing mein Partner an, sie raus zu mobben, was ihm schließlich auch gelang. Später trafen wir uns wieder und ließen die alte Freundschaft aufleben. Während  der Reise auf der ich Dich und Deine Gruppe kennen lernte, wurde mir langsam klar, dass auch ich mich inzwischen in Vanessa verliebt hatte. Von meinem damaligen Partner hatte ich mich längst getrennt.

RT: Und dann wolltet Ihr gleich ein Kind?

Kay Ray: Wir hatten während einer AIDA-Reise zweimal ungeschützten Sex und dabei ist es passiert. Ich habe das als ein Zeichen verstanden.

RT: Was hat sich für Dich durch Deine Tochter Valentina verändert?

Kay Ray: Eine ganze Menge. Dass wir unseren Alltag komplett neu organisieren mussten, war klar. Ich bin ja manchmal tagelang auf Tour und Vanessa ist selbstständig. Aber meine ganze Gefühlswelt ist auf den Kopf gestellt worden. Ich bin wahnsinnig gern mit der Kleinen zusammen. Neulich habe ich abends auf dem Sofa gesessen und geheult, weil ich mich für ein paar Tage von ihr trennen musste. Ich hab sowieso nah am Wasser gebaut.

RT: Als wir uns vor zwei  Jahren trafen, hast Du heftig gehinkt und mir später erzählt, dass Du einige Monate auf den Rollstuhl angewiesen warst. Was hat das mit Dir gemacht?

Kay Ray: Ja, da hatte ich mir den Knöchel gebrochen und musste zweimal operiert werden. Lange durfte ich den Fuß nicht belasten. Der Rollstuhl hat mich damals sehr eingeschränkt. Ich musste ja Geld verdienen, und eine Show, wie ich sie mache, ist dann sehr schwer zu verwirklichen.  Es war zwar nur ein halbes Jahr, aber die neue Sichtweise in dieser Zeit hat mich sensibilisiert.

RT: Seit einiger Zeit machst Du Witze über Menschen mit Behinderung. Darf ich mir die Initialzündung dazu auf die Fahnen schreiben, oder hättest Du damit irgendwann auch von allein angefangen?
Kay Ray: Das kam eindeutig durch unser Gespräch auf der AIDA. Bis dahin war ich nicht sicher, wie behinderte Menschen darauf reagieren würden, wenn ich so was in meine Show einbauen würde. Du hast damals gesagt, dass auch Behinderte das Recht haben, verarscht zu werden. Ich habe das gleich ausprobiert und immer mehr ausgeweitet. Wenn ich Rollstuhlfahrer im Theater habe, lachen die oft am meisten darüber.

RT: Hat es schon böse Kommentare von Menschen mit Behinderungen gegeben?
Kay Ray: Bisher noch nicht und ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, wie ich darauf reagieren würde. Wahrscheinlich wird dann irgendein Spruch von unterschiedlichem Humorverständnis kommen.

RT: In der Nacht auf der AIDA, als wir uns kennen lernten, hast Du gleich eine Nummer mit uns Rollifahrern geplant, uns vorgesungen und eine Choreografie zu dem Text „walk, walk, walk“ entwickelt. Warum ist das nicht zustande gekommen? Mir gegenüber hat das Entertainment-Team das damit begründet, dass man Angst hatte, wir fallen von der Bühne. Ich vermute eher, dass man solche Menschen wie uns nicht vor den Gästen präsentieren wollte, die Spaß haben wollten. Erinnerst Du Dich noch, warum Du stattdessen die Kids mit den wilden Frisuren ins Programm genommen hast?

Kay Ray: Ja, die Entertainment-Crew hat irgendwas von Barrieren erzählt. Die waren aber wohl nur in deren Köpfen. Wer ein Klavier auf die Bühne transportiert, dürfte auch mit Menschen kein Problem haben.

RT: Neuerdings ziehst Du Dich auf der Bühne komplett aus – warum muss das noch sein mit Ende 40?

Kay Ray: Knackig schöne Körper siehst Du doch überall. Das ist doch nichts Besonderes mehr. Vor allem in der Schwulenszene ist das extrem. Da gehörst Du nur dazu, wenn Dein Körper im Studio durchgestylt wurde bis ins kleinste Detail. Dann noch die richtige Kleidung und eine entsprechende Frisur. Schau Dir doch mal Bilder vom Christopher-Street-Day an. Die Veranstaltung war mal gedacht, um mehr Rechte für Schwule und Lesben einzufordern, die Gesellschaft mit deren Problemen zu konfrontieren. Jetzt ist das nur noch eine Riesenparty, bei der man seinen Körper und die Sexualität zur Schau stellt. In dieser oberflächlichen Szene geht es nur noch um Aussehen und schnellen Sex. Viele ältere Schwule sind heutzutage einsam und verbittert.

RT: Was Du in der Show mit Deinen Geschlechtsteilen veranstaltest sieht so aus, als ob das richtig weh tut. Daraus z. B. eine Schildkröte oder den Eifelturm zu bauen, stelle ich mir schmerzhaft vor.

Kay Ray: Ist es aber nicht! Es gibt eine australische Truppe, die sich „Puppetry of the Penis“ nennt. Bei denen habe ich mir das abgeschaut.

RT: Ist der Striptease vor der Pause nicht nur ein Vorwand, das Kostüm zu wechseln?

Kay Ray: Nein, wenn ich das zum Ende der Show bringe, gehen die Leute nach Hause mit dem Gedanken: ,Der zieht sich aus und macht Penisakrobatik‘. So singe ich nach der Pause zwei oder drei Balladen, mache Witze über die Börse und die Deutsche Bahn, schon tritt das andere in den Hintergrund.

RT: Warum sieht man Dich so selten im Fernsehen? Deine Show ist schließlich abendfüllend und witziger als das meiste, was über den Äther flimmert.
Kay Ray: Die Sender wollen vorher immer die Texte des Programms sehen. Es gibt aber keine Texte auf Papier. Alles habe ich im Kopf und passe es der Situation im Zuschauerraum an; das ist den Programm-Machern viel zu riskant. Das können Sie nicht steuern oder beeinflussen.

RT: Dann freuen unsere Leser und ich uns eben auf die nächsten Life-Auftritte. Du bist ja viel in ganz Deutschland unterwegs und sicher hat der eine oder andere Gelegenheit, Dich in einem Theater zu erleben. Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr über Kay Ray, seine Programme und die nächsten Auftritte unter www.kayray.de

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