Endlich wieder Laufen - ein Fußgängertraum?

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Menschen im Rollstuhl das Gehen zu ermöglichen, scheint ein nobles Anliegen für Ingenieure. Ende dieses Jahres drängen gleich drei Anbieter mit Exoskeletten auf den Markt für Privatnutzer, auch in Europa. Doch Experten fürchten, dass Millionen von Euro Forschungsgeld bei eLEGS, ReWalk und Rex nicht gut angelegt sind.

Beim Kochen in den Topf blicken, zum Schweißen an der Werkbank stehen, mit dem Feierabendbier auf Augenhöhe anstoßen. Davon träumt der Neuseeländer Hayden Allen, seit ihn 2005 ein Lastwagen anfuhr. Mit seiner Querschnittlähmung hat er sich abgefunden, mit seinem Rollstuhl nicht. Wer sollte besser als er den Nutzen des „Rex“ demonstrieren? Das Exoskelett, das zwei Ingenieure in der kleinen Werkstatt von Rex Bionics in einem Vorort von Auckland entwickelt haben, scheint wie gemacht für einen wie Allen, der auch Jahre nach seinem Unfall vor allem eines vermisst: das Laufen.

RexBionicsRex ist ein Roboter zum Anziehen. Wie ein paar Stahlhosen ruht er auf einem Sofa, bevor sich Allen aus dem Rollstuhl hineinhievt. Die Hälfte seiner ausschweifenden Tattoos verdeckt der hagere Mittdreißiger heute mit einem Hemd – ausnahmsweise. Zwei Techniker zurren ihn mit Klettgurten fest, dann kippt er den Joystick auf „Stand“ und Rex erhebt sich. Es ruckelt und ächzt, dann steht das Gerät und mit ihm Allen, der lacht.

Eine Wundermaschine, die Freude macht. So soll Rex gesehen werden, entwickelt von zwei schottischen Auswanderern, Richard Little und Robert Irving. Bei Irving wurde 2003 MS diagnostiziert – und anders als seine Mutter will er sich davon nicht in einen Rollstuhl zwingen lassen. Rund zehn Millionen neuseeländische Dollar (5,5 Mio. Euro) haben sie für den Prototypen zusammengetrieben, allein die Regierung schoss 880.000 Euro zu. Ähnlich kostspielig war die Entwicklung des ReWalk der Firma Argo Medical Technologies in Israel und der eLEGS bei Berkeley Bionics in Kalifornien. „Technisch sind das echte Meilensteine“, sagt Dr. Rüdiger Rupp. Der Ingenieur leitet die Abteilung für experimentelle Neurorehabilitation am Querschnittszentrum des Universitätsklinikums Heidelberg. „Einen greifbaren Nutzen für Querschnittgelähmte sehe ich aber nicht“.

Vor allem zwei Probleme führen Rupp und andere Kritiker ins Feld, wenn sie einschätzen sollen, ob eine Finanzierung durch Krankenkassen gerechtfertigt wäre. Erstens wurden die Exoskelette ihrer Meinung nach am tatsächlichen Bedarf von Querschnittgelähmten vorbei entwickelt. Und zweitens sind positive Nebenwirkungen für die Gesundheit, mit denen die Firmen werben, wissenschaftlich nicht abgesichert.



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