Das verheimlichte Leiden – Inkontinenz
Autor: Dominik Peter 10. Juni 2011
Inkontinenz sollte kein Tabuthema sein. Im Gegenteil, wer offen darüber spricht, baut Barrieren ab. Was viele zudem nicht wissen: Überall gibt es Inkontinenzzentren, die Betroffenen weiterhelfen.
Eigentlich muss man sich wundern. Ganz besonders, wenn man sich die harten Fakten anschaut. Rund 9 Millionen Menschen leiden allein in Deutschland an Inkontinenz. Inkontinenz ist das Unvermögen, den Urin oder die Darmausscheidungen zurückzuhalten. Medizinisch gibt es unterschiedliche Inkontinenzen. Die Harninkontinenz bezeichnet das Einnässen, die Stuhlinkontinenz das Einkoten und die Flatulenz die Unfähigkeit, das Entweichen von Darmgasen zu verhindern. Mit der großen Zahl von 9 Millionen Betroffenen ist die Blasen- oder Darmschwäche längst zu einer echten Volkskrankheit geworden. Auffällig ist, dass selbst junge Frauen bereits an Harninkontinenz leiden können. Neueste Studiendaten aus Deutschland zeigen auf, dass jede fünfte Frau im Alter zwischen 25 und 75 Jahren derzeit an Harninkontinenz leidet. Pharmafirmen wie Lilly gehen sogar davon aus, dass jede dritte Frau von Harninkontinenz betroffen sein könnte. An einer Stuhlinkontinenz leiden hierzulande wohl rund 500.000 Menschen. Die Zahl der Menschen mit einer Blasen- oder Darmschwäche wird mit der zunehmenden Vergreisung der deutschen Gesellschaft in den kommenden Jahren zudem noch erheblich anwachsen. Und dennoch wird die Volkskrankheit Inkontinenz gerne unter den Teppich gekehrt. Besonders Betroffene wollen häufig nicht darüber sprechen. Viele vertrauen sich aus Scham noch nicht mal ihrem behandelnden Arzt an. Selbst mit anderen Betroffenen wird nur ungern darüber gesprochen. Das ist umso bedauerlicher, als es in den letzten Jahren massive Fortschritte sowohl bei der Behandlung von Inkontinenz als auch bei den Produkten gibt, die den Betroffenen helfen, mit den Folgen der Inkontinenz im Alltag leichter umzugehen.
Neues Wissen nutzen
Prof. Dr. Klaus-Peter Jünemann, erster Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft, fasste die Situation in einer Pressemeldung bereits letztes Jahr anlässlich der „Welt Kontinenz Woche“ wie folgt zusammen: „Die moderne Medizin bietet immer bessere Heilungschancen, sowohl bei Harn- als auch bei Stuhlinkontinenz. Stetige Weiterentwicklungen der Behandlungsformen und der diagnostischen Verfahren ermöglichen dies.“ Dennoch kommt es selbst heute noch zu Situationen, in denen sich Menschen, die an Inkontinenz leiden, immer stärker zurückziehen und sich von der Außenwelt geradezu abkapseln, anstatt sich Rat und Hilfe einzuholen. Dazu zählen zum Beispiel Querschnittgelähmte, die durch das häufige Kathedern mitunter mehrfach pro Jahr an Blasenentzündungen leiden. Durch die Entzündung kann es vorkommen, dass die Blase die sonst übliche Urinmenge nicht halten kann und es zu einer spontanen Urinabgabe kommt. In meinem Bekanntenkreis gibt es einige Betroffene, die über Wochen lieber zu Hause bleiben, als das Risiko einzugehen, irgendwo unterwegs plötzlich sprichwörtlich im Nassen zu sitzen. Was natürlich in einer selbst auferlegten Isolation enden kann.
Es gibt aber auch Betroffene, die an einer überaktiven Blase leiden, was die Lebensqualität ebenfalls massiv einschränken kann. Denn die Notwendigkeit, sicherheitshalber ständig in Reichweite einer Toilette zu bleiben, verkleinert den Aktionsradius natürlich erheblich. Doch eine überaktive Blase lässt sich i. d. R. behandeln.












