Die Netzwerker
Autor: Werner Pohl 10. Juni 2011
Das Ziel, Querschnittlähmung in absehbarer Zeit heilbar zu machen, wird nur mit Unterstützung privater Initiativen bewerkstelligt werden. Wings for Life ist eine solche Initiative, und sie hat in den wenigen Jahren ihres Bestehens schon Bemerkenswertes erreicht.
Eine Allee, ein Mann im Rollstuhl. Er hält an, wendet sich dem Betrachter zu und sagt: „Das Schicksal fragt nicht.“ Dann steht er auf: „Es könnte auch mich treffen. Oder Sie“, dreht sich um und läuft zu Fuß weiter. Der Mann weiß, wovon er spricht. Er hat einen Flugzeugabsturz überlebt und ging viele Jahre lang einem gefährlichen Beruf nach. Er ist berühmt, und ein Idol für Millionen von Formel 1 Fans in aller Welt. Sein Name: David Coulthard. Seine Mission: Er ist Botschafter für die österreichische Wings for Life-Stiftung und wirbt für deren Anliegen: Querschnittlähmung soll heilbar werden.
Dass Wings for Life auf dergestalt prominente Unterstützung bauen kann, ist kein Zufall. Hinter der im Jahre 2004 ins Leben gerufenen Institution stehen der zweifache Motocross Weltmeister Heinz Kinigadner und Red Bull-Gründer Dietrich Mateschitz, der sich derzeit außerordentlich erfolgreich in der Formel 1 engagiert. Tragischer Impuls für die Gründung der Stiftung war ein schwerer Sportunfall von Kinigadners Sohn Hannes, der seitdem querschnittgelähmt ist.
Die Bilanz der noch vergleichsweise jungen Einrichtung kann sich sehen lassen. In den wenigen Jahren ihres Bestehens hat Wings for Life bereits 42 verschiedene Projekte gefördert, und dafür mehr als fünfeinhalb Millionen Euro investiert. Die Vorgabe dabei ist klar: Förderungswürdig sind Projekte, die sich mit Mitteln und Wegen befassen, Querschnittlähmung heilbar zu machen. Dazu Rosi Lederer, am Stiftungssitz in Salzburg zuständig für die wissenschaftliche Koordination der Aktivitäten: „Wir sind keine Organisation, die Therapien oder Kliniken vermitteln kann. Unser Aufgabengebiet ist die Unterstützung erfolgversprechender Forschungsansätze.“
Für die Notwendigkeit, Wissenschaftlern bei der Verfolgung dieses Ziels mit Stiftungsgeldern unter die Arme zu greifen, gibt es einen Grund, der auf den ersten Blick sarkastisch anmutet. Querschnittlähmung ist eine vergleichsweise exotische Krankheit, entsprechend „unattraktiv“ sind für die Pharmaindustrie Investitionen auf diesem Gebiet. Forschungsanstrengungen mit dem Ziel, Krebs, Multiple Sklerose, AIDS oder Alzheimer zu besiegen, versprechen weit höhere Profite. Tatsächlich stellt die Forschung nach Möglichkeiten, Querschnittlähmung heilbar zu machen, deshalb eine Art „Nischenmarkt“ dar. Umso wichtiger ist es für die Akteure auf diesem Gebiet, Unterstützer zu finden, denn Forschung kostet nun einmal viel Geld.












