Keyvan Dahesch: Es ist besser blind zu sein als nichts zu sehen

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Gibt man den Namen „Keyvan Dahesch“ bei Google ein, finden sich über 8000 Suchergebnisse. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er als freier Journalist für namhafte überregionale Zeitungen und verschiedene Rundfunkanstalten. Selbstbewusst, voller Energie und häufig auch kämpferisch schreibt er über das Leben behinderter Menschen und fordert für die Behinderten „Bürgerrechte statt Almosen“. Für sein Engagement und seine Ehrenämter hat er zahlreiche Auszeichnungen bekommen. Er ist einer, der über den Tellerrand schaut. Und das in einem doppelt übertragenen Sinn – er ist blind.

 

Keyvan_Dahesch_7751Heute lebt Keyvan Dahesch im Frankfurter Nordend. Er kam 1958 im Alter von 16 Jahren aus Teheran nach Deutschland. Hier suchten seine Eltern Heilungschancen für den von Geburt an nahezu blinden Sohn; er konnte lediglich einen schwachen Hell-Dunkel-Kontrast wahrnehmen. Die Hoffnung erfüllte sich nicht. Aber der junge Mann wollte nicht mit dem Vater zurück in die persische Heimat reisen, sondern blieb in Deutschland. „Jetzt fing mein Leben an“, sagt er. 

Der Neuanfang 

Er besuchte die Blindenschule in Stuttgart, lernte Deutsch und begann 1960 in Frankfurt mit einer Ausbildung zum staatlich geprüften Masseur und medizinischen Bademeister. Er wollte finanziell unabhängig sein, wenn seinen Eltern etwas zustoßen sollte. Mit Stolz erzählt er, dass er seine Praktikumsplätze  und danach seine Anstellungen alle selbst gefunden habe. Nur ein einziges Mal habe ihm das Arbeitsamt dabei geholfen. Er erinnert sich noch genau an jedes Detail – beispielsweise daran, dass ihm Oskar Schindler, den er behandelt habe, ein „tolles Trinkgeld“ gegeben habe, aber auch an die Ausländerfeindlichkeit, die er gerade bei der Wohnungssuche spüren musste. Bis 1971 übte er seinen Beruf in verschiedenen Kliniken, Sanatorien und Praxen aus.

In diese Zeit fielen auch zwei wichtige Ereignisse in Daheschs Leben: 1966 heiratete er seine ebenfalls sehbehinderte Frau Anni. Und 1970 wurde er deutscher Staatsbürger. Er sei, so betont er, islamkritisch und religionsfrei und könne „seine“ Religion in zwei Glaubenssätzen zusammenfassen: 1. Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu.2. Ich verehre jede Religion, die mich nicht verdammt, wenn ich sie nicht verehre.

1971 ermöglichte ihm ein Stipendium des Deutschen Gewerkschaftsbundes (er ist seit 1965 Mitglied der SPD) die Teilnahme an einem Studiengang der Akademie der Arbeit in der Universität Frankfurt mit den Fächern Soziologie und Volkswirtschaft, der ihn anschließend zum Landesversorgungsamt Hessen (heute: Hessisches Landesamt für Versorgung und Soziales) führte. Nach drei Jahren als Inspektoranwärter schloss er die gehobene Beamtenlaufbahnprüfung 1975 mit der Note „Sehr gut“ ab und arbeitete dort bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2002 als Bürgerbeauftragter und Pressesprecher. In dieser Funktion hatte er vielfachen Kontakt zu den Medien und entdeckte so seine Begeisterung für den Journalismus, die bis zum heutigen Tag nicht nachgelassen hat.

 

„Bürgerrechte statt Almosen“  

Die Liste seiner Publikationen ist lang, die der Medien, für die er arbeitet ebenso. So schreibt er u.a. für Die Zeit, die Süddeutsche Zeitung, die Frankfurter Rundschau, den Tagesspiegel sowie für die Redaktionen verschiedener Hörfunkprogramme. Immer wieder sind es behindertenrelevante Themen, mit denen er die Gesellschaft wachrütteln will. Er musste sich, wie er erzählt, vieles im Leben hart erkämpfen, manchmal auch die Ochsentour gehen. Nun setze er sich hartnäckig für diejenigen ein, die ebenfalls ihr Päckchen zu tragen haben. Unermüdlich weist er auf die Hindernisse hin, mit denen Behinderte trotz des grundgesetzlich garantierten Benachteiligungsverbots von Menschen mit Behinderungen und trotz der in der UN-Behindertenrechtskonvention für sie völkerrechtlich verbindlich vorgeschriebenen gleichberechtigten Teilhabe in Arbeit, Beruf und Gesellschaft kämpfen müssen. Vehement fordert er gleiche Rechte für sie ein. Sein Essay „Justitia und andere Blinde“, in dem es um den ständigen Kampf im Alltag von Behinderten ging und das Die Zeit veröffentlichte, wurde sogar in den zweiten Band des 20-bändigen Zeitlexikons aufgenommen. Und ein weiterer Essay, den der Deutschlandfunk  unter dem Titel „Bürgerrechte statt Almosen“ ausgestrahlt hatte, fand darüber hinaus in zahlreichen Besprechungen anderer Medien eine vielbeachtete Resonanz.



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