Wenn die Schulter versagt
Autor: Gabriele Hellwig 06. Oktober 2010
Rollstuhlfahrer nutzen ihre Arme wie Fußgänger die Beine. Kein Wunder, wenn nach einigen Jahren die Schultern Probleme machen. Manchmal kann eine Operation helfen. Zur Vorbeugung ist Sport gut geeignet. Es stärkt die Schulter umgebenden Muskeln.
Um 3 Uhr nachts wachte Jürgen Geider aus Kronau plötzlich auf und spürte ein Ziehen in der linken Schulter. „Ich dachte zunächst, ich hätte ungünstig gelegen“, erinnert sich der heute 51-Jährige an jene Nacht im Juni 2005. Als er morgens aufstand, konnte er sich nur unter Schmerzen bewegen und sich kaum anziehen. Mit Mühe fuhr der Produktmanager, der seit einem Autounfall im Jahr 1975 querschnittgelähmt ist und seitdem im Rollstuhl sitzt, zur Arbeit. Zwar besserten sich im Laufe des Tages die Beschwerden. Aber in der kommenden Nacht - wieder etwa um 3 Uhr – begann die Schulter erneut weh zu tun.
Eine Woche lang wiederholte sich jede Nacht das gleiche „ Schauspiel“. Von Tag zu Tag wurde es schlimmer. „Vor allem wenn ich den Arm hoch heben oder zur Seite bewegen wollte, tat es in der Schulter weh.“ So konnte er im Büro schwer Akten aus den Regalen holen. Besonders anstrengend war der Transfer vom Rollstuhl ins Auto – und wieder zurück. „Da muss man normalerweise seitlich greifen, um sich überzusetzen. Das ging kaum. Ich entwickelte verschiedene Techniken, um es dennoch zu schaffen. Aber es war extrem schwierig“, erzählt Jürgen Geider.
Als sich sein Zustand in der zweiten Woche weiter verschlechterte, fuhr Jürgen Geider zum Arzt. Der Orthopäde untersuchte Rücken und Schulter genau, machte einen Ultraschall und eine Magnetresonanztomographie (MRT). Die Diagnose war eindeutig: Eine Sehne in der linken Schulter war abgerissen. „Ich wollte es anfangs nicht glauben, denn ich konnte die Schulter immerhin noch ein wenig bewegen und die Schmerzen waren auch nicht so extrem, dass ich an einen Riss gedacht hatte“, gesteht Geider.
Doch der Arzt erklärte ihm: Tatsächlich reißt bei vielen P atienten die Sehne plötzlich und der Betroffene spürt einen stechenden akuten Schmerz. Doch manchmal – wie bei Jürgen Geider – geht der Vorgang langsamer vor sich. Geider: „Bei mir war es Verschleiß. Die Sehne in der Schulter wurde immer schwächer. Da ich seit Jahren Rollstuhlsport treibe, kompensierten die Muskeln dies offenbar einige Zeit.“













