Ein etwas anderer All-Inclusive-Urlaub
Autor: Werner Pohl, Fotos: Daniela Böhm 16. Dezember 2010
„All inclusive“, dieses Zauberwort der Tourismus-Industrie unserer Tage verheißt zum überschaubaren Preis Flug, Hotel und Komplettverpflegung. Und ob die Sonne dann in der Türkei oder in Spanien, in Tunesien oder in Griechenland scheint, ist für viele Erholungssuchende zweitrangig. Diese Sorte Urlaub war noch nie unser Ding, und so fiel unsere Wahl auf eine All-Inclusive-Reise der etwas anderen Art.
Donnerstag Nachmittag, drei Uhr. Etwas abseits vom Gewirr der dicht ineinander verschlungenen Autobahnen des Ruhrgebiets steuern wir eine Adresse in Oberhausen an, und erstaunlicherweise gibt es unweit vom Stadtkern einen grünen Flecken, Wald, Felder, ein paar dörflich anmutende Straßenzüge. Im Zielgebiet müssen wir nicht lange suchen. Unübersehbar steht vor einem Backsteinhaus das Objekt unserer Begierde: Sieben Meter lang, dreieinhalb Meter hoch und inklusive Spiegel mehr als zweieinhalb Meter breit. Unser Heim für die kommenden zehn Tage. Es ist ein Experiment. Noch nie haben wir einen Wohnmobilurlaub gemacht. Nun wollen herauszufinden, ob das was für uns ist. Natürlich fährt man nicht von Stuttgart nach Oberhausen, um irgendein Wohnmobil zu mieten. Unseres, so verhieß die Website, die uns auf das Angebot aufmerksam gemacht hatte, ist komplett rollstuhltauglich, und somit auch von mir zu fahren. Und, als weiterer wesentlicher Punkt: Hunde sind als Mitfahrer willkommen. Wer schon einmal als Rollstuhlfahrer mit Hund versucht hat, spontan eine Woche Urlaub zu machen wird verstehen, dass uns der Gedanke verlockend erschien, ein paar Tage ohne Sorge um ein jeweils passendes Quartier durch die Gegend zu reisen.
Das Übergabeprozedere verlief problemlos. Der Besitzer und Vermieter des Wohnmobils, Heiko, wies uns im Schnelldurchgang in alles Wissenswerte ein, und ich konnte mich rasch davon überzeugen, dass ich mit Grundriss und Konstruktion der rollenden Behausung bestens zurechtkam. Auf Anhieb begeistert war ich von dem an der seitlichen Eingangstür angebrachten Kassettenlift, der so leise, schnell und unkompliziert arbeitete, dass das Ein- und Aussteigen genauso schnell vonstatten ging wie bei unserem PKW. Unsere Habseligkeiten und Vorräte für eine Zehntagestour entlang der niederländischen und belgischen Nordseeküste wechselten vom Kofferraum unseres Caddy in die geräumigen Staufächer des Wohnmobils. Schließlich fand sich auch noch ein sicherer Stellplatz für die Schlaf- und Wohnbox unserer Whippethündin Libby, die keinerlei Berührungsängste zeigte, und unverzüglich mit einer gründlichen Inspektion sämtlicher Ecken und Winkel der noch ungewohnten neuen Umgebung begann. Zwei Stunden nach unserem Eintreffen in Oberhausen rollten wir in Richtung Niederlande los, einstweilen erst mal sehr vorsichtig und mit wachem Blick für alle möglichen Hindernisse, denn an die Abmessungen so eines Klein-LKWs muß man sich erst mal gewöhnen.












