Ist das Glas halb leer oder halb voll?

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Glaubt man einschlägigen Untersuchungen, so brauchen Querschnittgelähmte durchschnittlich zwei bis fünf Jahre, um sich in ihre neue Situation, gleich ob durch Unfall oder Krankheit verursacht, hineinzufinden. Dass der Verarbeitungsprozess individuell höchst unterschiedlich ausfällt, wird niemanden wundern. Der Rehatreff sprach mit Betroffenen über ihre Erfahrungen.

In den Lebensläufen von Bastian, Mario, Rainer und Werner nimmt das Jahr 2005 eine Sonderstellung ein. Eine Zeit lang teilten alle vier, wiewohl an ganz verschiedenen Orten im Süden der Republik beheimatet, eine gemeinsame Adresse: Die Abteilung Q der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Tübingen. Und wiewohl von Lebensalter und Beruf sehr verschieden, teilten alle vier in dieser Zeit noch eine ganze Reihe weiterer Gemeinsamkeiten. Sie mussten ihr Leben neu definieren und sich auf die Erkenntnis einlassen, dass künftig nichts mehr so sein würde wie vorher. Ihr Tagesablauf war bestimmt von Ergotherapie, Krankengymnastik, Sportunterricht und vor allem von lernen, lernen, lernen.

Sie begannen zu lernen, wie das Leben im Rollstuhl zu bewältigen ist.

bastian-beekesBastian, heute 25, war auf der Heimfahrt vom Zivildienst, als es ihn auf seiner Vespa aus der Kurve trug. Das Resultat: Halswirbelbruch und Tetraplegie. Mario, heute 40, war mit seinem Mountainbike im Wald unterwegs; als die Lenkstange brach. Bei dem daraus resultierenden Sturz zog er sich einen Bruch des 10. Brustwirbels zu, was zu einer kompletten Paraplegie führte. Auch Rainer, heute 56, war mit dem Fahrrad unterwegs, wurde von einem abbiegenden PKW übersehen und zog sich beim Zusammenstoß eine schwere Halswirbelverletzung zu. Eine inkomplette Tetraplegie war die Folge. Werner, heute 53, schließlich, stürzte so unglücklich, dass auch seine Halswirbelverletzung mit einer hohen Tetraplegie endete.

So verschieden wie Unfallursache und Herkunft waren, so verschieden gestaltete sich für alle auch die materielle Situation als Voraussetzung für den Neubeginn. Werner, vordem selbständiger Dozent, wurde durch seinen Unfall, wie er selbst sagt, zum Sozialfall. Mario, zum Zeitpunkt seines Unfalls Angestellter bei Daimler und dreifacher Familienvater, hatte mit einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung vorgesorgt, die sich als rettend erweisen sollte. Rainer einigte sich mit seiner Unfallgegnerin auf einen Vergleich, in dessen Folge er 70 Prozent seiner unfallbedingten Aufwendungen ersetzt bekam. Für Bastians Unfallfolgen steht die Berufsgenossenschaft ein, denn sein Unfall geschah auf dem Rückweg von seiner Arbeitsstätte.



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