Selbstbestimmtes Wohnen für alle


„Menschen mit Behinderungen sollen frei wählen können, wo sie wohnen, wie sie wohnen und mit wem sie wohnen“, forderte Minister Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, bei einem Perspektivgespräch in der Düsseldorfer Johanneskirche. Hier tauschte sich der Landespolitiker mit den Teilnehmern der Projektgruppe „Wohnen selbstbestimmt!“ aus, in der Menschen mit Unterstützungsbedarf und Fachkräfte zusammengearbeitet haben. Die Ergebnisse des von der Stiftung Wohlfahrtspflege geförderten Projekts wurden dem Minister im Rahmen des Treffens überreicht.
Die Kernforderung des Berichts – die Schaffung von Wahlmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen in Sachen Wohnen – unterstützte Karl-Josef Laumann: „Dass dieses Ziel der UN-Behindertenrechtskonvention tatsächlich das ist, was die Menschen wollen, wurde durch das Modellprojekt ‚Wohnen selbstbestimmt!‘ noch einmal bestätigt.“ Unabdingbar für die Realisierung der Forderungen sei der Schulterschluss aller beteiligten Akteure: „Politik, Wohnungswirtschaft und Träger müssen gemeinsam an der Umsetzung arbeiten und die Wünsche der Menschen mit Behinderungen im Blick behalten. Diese Wünsche klar benannt zu haben, ist ein Verdienst des Projekts“, bedankte sich der Minister bei den Beteiligten.
Gleichzeitig betonte Karl-Josef Laumann, dass der Weg – hin zu einer größeren Wahlfreiheit – bereits eingeschlagen worden sei: „Wir haben in Nordrhein-Westfalen schon in der Vergangenheit die ambulant unterstützten Wohnformen für Menschen mit Behinderungen konsequent ausgebaut und liegen dabei heute bundesweit an der Spitze.“ Beispielsweise lebte 2005 jeder zehnte Mensch mit geistiger Behinderung in einem ambulanten Setting – 2017 schon jeder Dritte. „Damit ist NRW Schrittmacher in Deutschland.“ Trotzdem müsse diese Entwicklung kontinuierlich vorangetrieben werden: „Mit dem Wohnraumförderungsprogramm 2020 werden passgenaue Angebote auch für schwerbehinderte Menschen geschaffen.“ Die neue Wahlfreiheit bedeute allerdings nicht das Ende stationärer Angebote, machte der Minister deutlich: „Wer die Rund-um-Versorgung im Heim will, soll sie weiterhin erhalten. Aber wer in individuell konfiguriertem Setting mit ambulanter Unterstützung leben will, muss ebenfalls die Möglichkeit dazu erhalten.“
Das Projekt „Wohnen selbstbestimmt!“ hatte sich vor allem mit der Frage befasst, wie das Wahlrecht von Menschen mit Behinderungen in Bezug auf das Wohnen umgesetzt werden kann. Das Ergebnis – ein Katalog an Empfehlungen für Politik und Gesellschaft – wurde von dem Bethel.regional-Expertenteam Christine Schäfer, Detlef Hülsmann und Rolf Wacker vorgestellt: „Menschen mit Behinderungen haben die gleichen Wünsche wie alle anderen auch“, so Christine Schäfer. „Sie leben gerne in Häusern mit einer gemischten Mieterschaft und natürlich möglichst in zentraler Lage.“ Das könne sowohl in der Stadt als auch auf dem Land sein – Voraussetzung ist vor allem eine gute städtische wie auch digitale Infrastruktur.
„Endlich wurde mal aufgeschrieben, was wir schon lange wissen“, brachte Bethel-Vorstand Professor Dr. Ingmar Steinhart das Projektpapier augenzwinkernd auf den Punkt. Jetzt müsse die Umsetzung folgen – „Wir brauchen einen Schwenk!“ Allerdings sei die Zahl der Heimplätze immer noch konstant. Und das, obwohl sich viele Bewohner eines stationären Angebots fremdbestimmt fühlen. Der Inklusions-Experte formulierte eine Reihe deutlicher Forderungen: „Wir müssen die Kommunen stärker miteinbeziehen, die Zusammenarbeit der Ämter verbessern und unsere Klienten ermutigen, etwas Neues auszuprobieren.“ Er habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen in der Regel nicht zurückwollen, wenn sie sich einmal auf Dezentralisierung eingelassen haben.

BTHG, Projekt „selbstbestimmtes Wohnen”, Perspektivgespräch und Übergabe des Projekt-Abschlussberichts an NRW-Minister Karl-Josef Laumann in der Johanniskirche in Düsseldorf. Foto: Christian Weische
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