Um ein Werkzeug reicher

Mecuris GmbH launcht digitale Orthesenwerkstatt zur Konfiguration individueller Orthesen.

In der Orthetik, also der Anpassung von Hilfsmitteln an Gliedmaßen, ist ein besonders hohes Maß an Individualität in der Versorgung gefragt. Wenn die Orthese drückt oder scheuert, wird sie vom Anwender schlecht angenommen und ungern getragen. Orthopädietechniker sind daher bestrebt, ihre Kunden möglichst passgenau zu versorgen. Die Anwendungsfälle hierbei sind sehr unterschiedlich. Manche Versorgungen brauchen viel Zeit, andere Fälle wiederum sind mehr oder weniger Standardfälle, die vergleichsweise schnell versorgt werden könnten. Aber viele Handgriffe im traditionellen Herstellungsprozess lassen sich nicht abkürzen. Bisher.

Individuelle Orthesen und zeiteffiziente Herstellung kein Widerspruch mehr

Jetzt hat das Medizintechnikunternehmen Mecuris aus München im April 2020 seine ,,Mecuris Solution Platform” um eine digitale Orthesenwerkstatt ergänzt. Damit steht dem Orthopädietechniker ein zusätzliches Werkzeug zur Verfügung, mit dem er einfach, intuitiv und schnell gerade die Standard-Versorgungen bedienen kann. Durch die Übersetzung klassischer Prozessschritte in digitale Workflows lassen sich Orthesen online modellieren und konfigurieren und dann im 3D-Druck fertigen.

Klassischer Herstellungsprozess

Wie Orthopädietechniker von der Plattform profitieren können, wird im direkten Vergleich zur klassischen Herstellung deutlich. Letztere ist vergleichsweise zeitintensiv: Nach einer Anamnese macht der Orthopädietechniker zunächst einen Gipsabdruck, den er dann in ein haltungskorrigiertes Positiv umwandelt. Um diese sogenannte Zweckform herum verarbeitet er schließlich den Kunststoff für die Schiene. Es folgt eine Nachbearbeitung und das Anbringen der Verschlüsse, bevor er die Orthese an den Patienten anpassen kann. Neben der Zeit als Kostenfaktor sind auch der Materialaufwand, die Abfallproduktion sowie der Energieverbrauch der Maschinen in der physischen Werkstatt vergleichsweise höher als bei der digitalen Erstellung und dem 3D-Druck.

Was kann die digitale Orthesenwerkstatt?

Für die digitale Orthesenwerkstatt hat Mecuris diese traditionellen Arbeitsschritte zur Erstellung von Orthesen in digitale Workflows übersetzt und stellt diese online auf der Mecuris Solution Platform (MSP) zur Verfügung. Statt einem Gipsabdruck erfolgt ein 3D-Scan des jeweiligen Körperteils, der die Form des Anwenders exakt einliest und an die Software übermittelt. Das ist für viele Anwender deutlich angenehmer als der Prozess des Abgipsens. Auf der MSP hat der Orthopädietechniker nun die Möglichkeit, mit seinem Patienten gemeinsam das Wunschdesign mit Farbe und Design-Elementen am Bildschirm auszuwählen. Durch die Möglichkeit, selbst die eigene Versorgung aktiv mitzugestalten erhofft sich Mecuris gerade bei jungen Anwendern mehr Spaß am Besuch beim Orthopädietechniker.

Nach der Auswahl des Designs und dem Anfertigen des 3D-Scans kann der Anwender das Orthopädiehaus bereits verlassen und der Techniker beginnt mit der digitalen Bearbeitung der Schiene. Hierfür lädt er den Scan auf die Plattform und wird dann Schritt für Schritt durch Arbeitsabläufe geführt, die ihm schon aus dem manuellen Prozess  bekannt sind. Die Auswahl an digitalen Werkzeugen ist bewusst übersichtlich gehalten, so dass diese ohne lange Einarbeitungszeit eingesetzt werden können. Jeder Orthopädietechniker kann für sich entscheiden, wie viele Bearbeitungsschritte er digital durchführen möchte. Als Unterstützung gibt es auch die Möglichkeit Automatismen anzuwenden. Diese unterstützen den Techniker in einer noch effizienteren Nutzung des Workflows. So hat der er zum Beispiel die Wahl, ob er lediglich das Ergebnis eines einzelnen, teilautomatisierten Arbeitsschrittes überprüfen oder er selbst mit den Werkzeugen Hand anlegen will. Für Trainings und Support steht jederzeit ein Team zur Verfügung

Die Arbeitszeit in der physischen Werkstatt kann dadurch deutlich reduziert werden. Der Orthopädietechniker kann sich so noch intensiver um seinen Patienten und dessen Wohlbefinden kümmern. Durch den digitalen Prozess kann jedoch nicht nur Arbeitszeit in der Werkstatt reduziert werden, sondern auch der Energie- und Materialverbrauch für ein grüneres und wirtschaftliches Sanitätshaus. Denn Nachhaltigkeit ist ein Thema, das nicht nur die Techniker immer stärker bewegt, sondern auch deren Kunden. Zusammen mit EOS, dem weltweit führendem Technologieanbieter im industriellen 3D-Druck, und dem zertifizierten Druckzentrum der Formrise GmbH setzt Mecuris zum Beispiel aktuell einen Herstellungsprozess auf, der auf eine noch nachhaltigere Produktion von Orthesen im 3D-Druck abzielt.

Optimal aufeinander abgestimmte Wertschöpfungskette

Von der Software- über die Produktentwicklung und die Produktion hinweg gewinnt der digitale Workflow weiter an Vorteilen. Mecuris setzt in der (Weiter-)Entwicklung seiner digitalen Dienstleistungen auf ein Netzwerk an starker Partner, um Expertise zu bündeln und diese dem Nutzer der Plattform dann zur Verfügung zu stellen. Die einzelnen Bausteine der digitalen Dienstleistungen werden dabei permanent weiterentwickelt und an die sich stetig verändernde Marktbedingungen angepasst. Das gilt sowohl für die Softwarelösungen als auch für die zertifizierten Endprodukte. Dadurch entsprechen sie immer höchsten Qualitäts- und Sicherheitsstandards.

Die digitale Orthesenplattform ergänzt auf der Mecuris Solution Platform die digitale Prothesenwerkstatt. Mit ihr können Techniker bereits seit zwei Jahren individuelle Prothesencover und -füße erstellen. Sowohl die Orthesen- wie auch die Prothesenwerkstatt werden zukünftig noch weitere Workflows und Werkzeuge anbieten, um die Arbeit der Orthopädietechniker besser zu unterstützen. Vor allem will Mecuris damit jedem Techniker die Möglichkeit geben, von der Digitalisierung der Branche zu profitieren, ohne hohe Invests in Software-Lizenzen oder Schulungen tätigen zu müssen.

 

www.mecuris.com

 

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