Wie sicher ist das Notfallversorgungssystem?

Von der INTERROLLI-Bürgerinitiative hat uns folgende Meldung erreicht: Rollstuhlfahrer wartet nach Sturz auf öffentlicher Behindertentoilette 25 Minuten lang auf Hilfe! Wie sicher ist das Notfallversorgungssystem auf öffentlichen Behindertentoiletten?

Vor ein paar Tagen stürzte ein Rollstuhlfahrer auf einer Euro-Behindertentoilette im Neuen Rathaus. Das Bedienen eines der acht Notfallknöpfe brachte keinen Erfolg, da sich zum Zeitpunkt des Unglückes kein städtischer Mitarbeiter mehr im Bereich der Euro-Behindertentoilette im 1. Stock des Hauptgebäudes befand. Glücklicherweise hatte der Rollstuhlfahrer ein Handy bei sich und konnte Hilfe rufen. Bis allerdings die Notarztbesatzung bei ihm sein und erste Hilfe leisten konnte, vergingen 25 Minuten. Wäre der Rollstuhlfahrer bei dem Sturz schwer verletzt worden, wäre diese Wartezeit zu lang gewesen und hätte fatale Folgen haben können. Eine Frage, die sich hierbei stellt ist: Wie sicher ist das Notfallversorgungssystem auf öffentlichen Behindertentoiletten? Wenn ein visueller und akustischer Alarm im Neuen Rathaus der Stadt Göttingen nur in einem kleinen Bereich des 1. Stockes unweit der Behindertentoilette zu sehen und zu hören ist, kann man nur teilweise von einer gut funktionierenden Notfallversorgung sprechen. Dagegen bekommen weder die Mitarbeiter in der Pförtnerloge noch die Hausmeister von dem Alarm etwas mit. Dabei sind das die Personen, die sofort entweder selbst erste Hilfe leisten oder zumindest anfordern können. Für einen verunglückten Rollstuhlfahrer bedeutet dies, immer ein Handy bei sich zu tragen, um selbst tätig werden zu können, falls er denn gesundheitlich noch dazu in der Lage ist. Ist er es nicht, kann es durchaus sehr gefährlich für ihn werden. Dass die Stadt Göttingen im Neuen Rathaus ein besseres Alarmsystem auf einer Behindertentoilette installieren kann, konnte man von 1987 bis 2019 feststellen. Es genügte dabei ein stinknormales Fernsprechtelefon, welches in einer Höhe von 50 cm über dem Fußboden der ehemaligen Behindertentoilette im Erdgeschoss des 3. Gebäudes des Neuen Rathauses angebracht und sowohl von der Toilettenliege als auch vom Fußboden aus sehr gut erreichbar war. In einem Presseartikel des Göttinger Tageblattes wurde diese Behindertentoilettenausstattung damals als vorbildlich bezeichnet. Mittlerweile hat die vorbildliche Behindertentoilettenausstattung das Gebäude gewechselt. Zwar befindet sich auf der Behindertentoilette des Kaufland-Supermarktes in der Göttinger Innenstadt kein Telefon, aber der durch Bedienung der Notfalltaste ausgelöste Alarm geht sofort am Informationsstand ein, der personell immer besetzt ist und von dem aus umgehend Hilfe angefordert werden kann. Obwohl das Thema bei der Stadt Göttingen bereits öfter besprochen wurde, wird dort stattdessen das Vorhaben, für ein wirkungsvolleres Notfallsystem auf der Euro-Behindertentoilette zu sorgen, hin und her geschoben, wie beim Schwarzen-Peter-Spiel. Die Installation eines Telefons wäre zu aufwendig und zu teuer. Im Übrigen kritisierten auch einige Notarztwagenfahrer das Notfallsystem auf der Euro-Behindertentoilette im Neuen Rathaus und empfehlen Behinderten notgedrungen ebenfalls das Mitführen eines Handys.  Selbst auf großen Fernbahnhöfen (z.B. Hamburg, Hannover, Göttingen, Fulda, Frankfurt am Main) und Personenfernzügen (ICE, IC) in Deutschland ist das Notfallsystem auf den Behindertentoiletten besser als im Neuen Rathaus. Zudem muss man es als bedenklich empfinden, wenn die Mitarbeiter der Rettungsleitstelle der Stadt und des Landkreises Göttingen nicht einmal wissen, wo ein ausgelöster Notruf aus einer der öffentlichen Euro-Behindertentoiletten der Göttinger Innenstadt überhaupt eingeht. „Das muss der Behinderte einfach mal ausprobieren“, lautete die lapidare Antwort.

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Veröffentlicht in: Nachrichten

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