Bahnpersonal darf Rollstuhlfahrern nicht körperlich helfen

Keine körperliche Hilfe für Rollstuhlfahrer bei der Bahn
Frank Lackner von INTERROLLI.

Das Personal der Deutschen Bahn AG darf Rollstuhlfahrern bei Stürzen und Umsetzungen aus/in dem/den Rollstuhl nicht körperlich helfen. Dieser Satz stößt der genannten Personengruppe erst einmal gewaltig vor den Kopf, hat aber leider wohl auch seinen Sinn, wie Frank Lackner von der Bürgerinitiative INTERROLLI im Rahmen eines Toilettenganges in einem Regionalexpress am 6. Juli von Hannover nach Bielefeld erfuhr. Werde bei der Bergung oder Umsetzung eines Rollstuhlfahrers dieser durch einen Bahnangestellten verletzt, so hafte der Bahnangestellte und müsse gar mit seiner Kündigung rechnen (kein Versicherungsschutz für den Bahnangestellten!). Außerdem könnte sich der Bahnmitarbeiter beim Heben eines Rollstuhlfahrers selbst verletzen, da er für solche Situationen nicht geschult und auf diese vorbereitet ist, so die Argumentation der Bahn laut Lackner. Deshalb empfehle die Deutsche Bahn AG Rollstuhlfahrern dringend, folgendes zu beachten:

  1. Benutzen Sie auf Zugreisen nur Falt- und keine Elektrorollstühle.
  2. Reisen Sie, wenn möglich, mit geschultem Begleitpersonal.
  3. Wenn Sie allein reisen, vermeiden Sie Stürze, Umsetzungen auf normale Zugsitze und (wenn Sie als rückengeschädigter Rollstuhlfahrer nicht auf einem WC sitzen können) Toilettengänge auf den Fußböden der Behindertentoiletten in den Zügen oder benutzen Sie einen Katheter.
  4. Sofern Sie doch körperliche Hilfe in den Zügen brauchen, sprechen Sie bitte andere Zugpassagiere an oder bitten das Zugpersonal dies über Lautsprecherdurchsage zu tun.

„Diese Empfehlungen sind zwar nett gemeint, haben aber einen gewissen Beigeschmack der unterlassenen Hilfeleistung“, so Lackner. Deshalb fordert die INTERROLLI die Deutsche Bahn AG auf, diese Empfehlung und Vorschriften für ihre Mitarbeiter zu lockern und diese auch für körperliche Einsätze bei Rollstuhlfahrern zu schulen. Im Übrigen hielten sich nicht alle Bahnmitarbeiter an die Vorschriften und würden Rollstuhlfahrern auch körperlich so gut es geht helfen, und das sei sehr lobenswert.

www.interrolli.com

Weitere Artikel

Fitnessapp für Menschen mit Querschnittlähmung

ParaGym ist ein noch bis Februar 2023 laufendes, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unter dem Projektnamen „FIT-IN3 – ein inklusiver, interaktiver und intelligenter...

„Auch Jüngere mit Handicap sollten einen Schwerbehindertenausweis beantragen!“

Gemäß einer aktuellen Statistik hat nahezu jeder zehnte Deutsche einen Schwerbehindertenausweis und damit eine Behinderung mit einem Grad von mindestens 50. Allerdings handelt es...

Jürgen Dusel eröffnete die REHAB Karlsruhe 2022

Die 21. Europäische Fachmesse für Rehabilitation, Therapie, Pflege und Inklusion (REHAB) wurde am 23. Juni 2022, von Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die...

Soziale Medien

0NachfolgerFolgen

Letzte Beiträge