Digitalisierung in Medizin und Pflege

Jährlich werden in Deutschland rund 55.000 Amputationen an den unteren Extremitäten durchgeführt. Ein Großteil der betroffenen Patientinnen und Patienten benötigt eine dauerhafte orthopädietechnische Versorgung, häufig begleitet von physiotherapeutischen Behandlungen. Seit vielen Jahren wird daher für Deutschland ein Register gefordert, das diese Behandlungsdaten systematisch erfasst. Dadurch sollen wertvolle Erkenntnisse gewonnen und die Versorgung der Betroffenen verbessert werden. Baden-Württemberg ergreift nun laut einer Pressemeldung die Initiative und fördert den Aufbau eines Beinprothesenregisters, das auch Grundlage für ein bundesweites Register sein kann, mit rund 900.000 Euro. Die Förderung ist Teil der Strategie „Digitalisierung in Medizin und Pflege“ des Sozial- und Gesundheitsministeriums. „Nicht erst die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, dass wir bei der Gesundheitsversorgung noch mehr auf Daten und Vernetzung setzen müssen“, so Gesundheitsminister Manne Lucha am Donnerstag (12. Mai) in Stuttgart. „Davon profitieren am Ende alle Patientinnen und Patienten. Dass diese Möglichkeit in Deutschland bei beinamputierten Menschen bisher nicht genutzt wurde, ist sehr bedauerlich. Gerade bei der Dokumentation von Krebserkrankungen haben wir mit sogenannten Krebsregistern bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. Umso mehr freut es mich, dass wir jetzt einen Vorstoß in dieser Sache unternehmen.“ Menschen mit Beinamputation brauchen in der Regel eine lebenslange Rehabilitation. Für die Produktentwicklung und Anpassung hochwertiger Prothesen braucht es daher eine ausgeklügelte digitale und individuelle Technik. Zum Einsatz kommen dabei im Vorfeld zumeist Computersimulationen. Dabei werden die Versorgungsdaten anderer Patientinnen und Patienten genutzt, um am Ende ein optimales Produkt herzustellen. Um auf diese Daten zurückgreifen zu können, ist ein entsprechendes Register notwendig. Das vom Ministerium geförderte Projekt „Aufbau eines Medizinischen Registers für die Behandlung und Versorgung von Menschen mit Beinamputation (kurz: AMP-Register)“ wird vom Universitätsklinikum Heidelberg in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut IPA durchgeführt. Es baut auf dem Projekt „AMP-Kompass“ auf, das anlässlich des Forums Gesundheitsstandort Baden-Württemberg durch das Land bereits finanziell unterstützt wurde. Mit dem „AMP-Kompass“ konnte ein digital vernetztes Dokumentationswerkzeug erstellt werden, das allen am Versorgungsprozess von beinamputierten Menschen beteiligten Berufsgruppen ermöglicht, die Vorgeschichte der Betroffenen sowie medizinische und orthopädietechnische Daten einzupflegen. Dafür werden sogenannte smarte Prothesen genutzt, die über mobile Sensoren Belastungsdaten an Orthopädietechniker übermitteln. Mit dem Vorhaben soll der Austausch und die Zusammenarbeit von Patientinnen und Patienten, der Akutversorgung, rehabilitativer Einrichtungen, niedergelassener Ärztinnen und Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten, Orthopädietechnikerinnen und Orthopädietechnikern sowie anderen Leistungserbringern weiter verbessert werden (sektorenübergreifende Versorgung). Durch die Erhebung statistischer Längsschnittdaten, die über einen längeren Zeitraum erfasst werden, können damit erfolgreiche und weniger erfolgreiche Behandlungsmethoden ermittelt werden, sodass künftige Patientinnen und Patienten von den Erfahrungen profitieren.

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