Dogsharing für Menschen mit Behinderung

Was tun, wenn man sich einen Hund wünscht, aber allein kein Tier halten kann? Der Berliner Verein Hunde für Handicaps e. V. hat für dieses Dilemma eine Lösung entwickelt und das Pilotprojekt wissenschaftlich begleiten lassen: eine neue Variante des Dogsharing – ein Hund mit zwei Haltern.

Dogsharing-Partner
Harmonische Dogsharing-Partner: Labradorrüde Othello mit seinen beiden Familien. Foto: Hunde für Handicaps / Anna Senkel

Anstoß für das vorerst einmalige Projekt gab ein Berliner mit einer fortschreitenden Erkrankung des Nervensystems. Der Mann wünschte sich einen eigenen Hund, der ihm Gesellschaft leistet und ihn beispielsweise beim Aufheben von heruntergefallenen Dingen unterstützt. Gleichzeitig war er unsicher, ob er dem Tier aufgrund der Erkrankung ein Leben lang gerecht werden kann. Seine Anfrage und ein persönliches Kennenlernen beim Berliner Verein Hunde für Handicaps, der Assistenzhunde für Menschen mit Behinderung ausbildet, brachte das Projekt ins Rollen. Es fand sich ein junges Paar, das sich ebenfalls einen Hund wünschte. Aufgrund von Vollzeitarbeitsstellen hätten sie diesen aber tagsüber nicht versorgen können. Die Idee des Dogsharing lag also auf der Hand.

Mit dem Einzug des vierjährigen Labrador Retrievers Othello in die beiden Berliner Haushalte startete im August 2017 das Pilotprojekt, das von der AOK – Die Gesundheitskasse gefördert wurde. Das Tier und sein Wohlergehen standen dabei für alle Beteiligten im Mittelpunkt: Der Dogsharing-Partner mit Behinderung hat den Rüden tagsüber bei sich und profitiert von kleinen Hilfeleistungen wie Apportieren sowie dem Anreiz, das Haus mit Othello zu verlassen. Das Paar bringt den Hund morgens und holt ihn abends wieder ab, sorgt für weiteren Auslauf und Auslastung und verbringt nach Absprache auch die meisten Wochenenden oder gemeinsame Urlaube mit Othello

Das Fazit der Fallstudie sei positiv, sagt die Vorstandsvorsitzende des Vereins Hunde für Handicaps, Sabine Häcker. Auch die wissenschaftliche Begleitung durch Dr. Josephine B. Schmitt, Psychologin der Ludwig-Maximilians-Universität München und Friederike Schmitt, staatlich anerkannte Physiotherapeutin, belegt die positiven Effekte des Modells: Es zeigten sich Verbesserungen hinsichtlich der Lebenszufriedenheit, des Wohlbefindens sowie der Selbstwirksamkeit bei beiden Dogsharing-Parteien. Bei dem körperlich eingeschränkten Mann ergaben Bewegungstests zudem, dass er durch den Umgang mit dem Hund innerhalb eines Jahres deutlich beweglicher geworden war – obwohl er in dieser Zeit einige Krankheitsschübe erlebte. „Das Projekt macht deutlich, dass das Dogsharing durchaus ein vielversprechendes Konzept darstellt“, schlussfolgert Dr. Josephine B. Schmitt. „Es erfordert jedoch viel Sensibilität, Kompromissbereitschaft und Kommunikation von allen beteiligten Seiten.“

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