Menschen mit Behinderung schulen Zugbegleiter

Herr Griebel und Frau Waliczek, zwei Werkstattmitarbeiter aus der Leipziger Diakonie am Thonberg, prüfen die Abfahrtszeiten am Leipziger Hauptbahnhof. (Foto: Jana Kästner)
Herr Griebel und Frau Waliczek, zwei Werkstattmitarbeiter aus der Leipziger Diakonie am Thonberg, prüfen die Abfahrtszeiten am Leipziger Hauptbahnhof. (Foto: Jana Kästner)

Jeder Mensch soll ohne Barrieren reisen können. Das war das Anliegen einer großangelegten Schulung der Zugbegleiter der DB Regio durch das Leipziger Netzwerk Weiterbildung, ein Zusammenschluss verschiedener Vereine und Einrichtungen für Menschen mit verschiedenen Behinderungen unter der Leitung des Behindertenverbands Leipzig e.V., im Jahr 2013. In der Schulung ging es darum, die Zugbegleiter für die unterschiedlichen Belange von Menschen mit Behinderung zu sensibilisieren, Barrieren abzubauen und mit ihnen in den Erfahrungsaustausch zu gehen um gegenseitig Veränderungs- und Verbesserungswünsche zu äußern.

Sechs Werkstattmitarbeiter von der Leipziger „Diakonie am Thonberg“ berichteten den Zugbegleitern beispielsweise, was aus Sichtweise der Menschen mit geistiger Behinderung und Lernbehinderung wichtig ist. Die Zugbegleiter stellten vielfältige Fragen, wie zum Beispiel: „Ist es Ihnen lieb, wenn wir Sie ansprechen und fragen, ob Sie Hilfe benötigen oder fühlen Sie sich dadurch nicht ernst genommen?“ „Was mache ich, wenn jemand betrunken mit einem Schwerbehindertenausweis in der Bahn sitzt und lautstark brüllt und ich ihn ermahne und derjenige dann sagt, dass ich ihn diskriminiere?“ Erfahrungen aus dem Alltag der Zugbegleiter, welche aufzeigen, wie schwierig auch für sie die Situation manchmal ist.

Sie ermahnten aber auch und gaben Tipps: „Wir dürfen nur Schwerbehindertenausweise im Original anerkennen. Viele reisen mit Kopie, weil die Betreuer sonst Angst haben, dass sie den Ausweis verlieren. Das lassen wir oft durchgehen, aber eigentlich ist es nicht in Ordnung. In NRW gibt es eine Regelung, dass auch beglaubigte Kopien gültig sind, vielleicht kann man das auch hier durchsetzen.“ Ein wichtiger Hinweis für Menschen mit geistiger Behinderung war auch, dass nicht in jedem Zug ein Zugbegleiter ist. Es fahren einige Züge gänzlich ohne. Kein Wunder also, wenn man manchmal vergeblich darauf wartet, einen Zugbegleiter ansprechen zu können.

Alle 160 Zugbegleiter zeigten sich in den 13 Schulungstagen mit großer Offenheit. Und auch nach diesem Projekt besteht der Kontakt mit der Deutschen Bahn weiter. So hat beispielsweise die Redaktion der Werkstattzeitung „Schneckenpost“ der „Diakonie am Thonberg“ den geplanten Flyer zur Barrierefreien Mobilität geprüft und Anmerkungen gegeben. Außerdem gehen die Aktivitäten des Netzwerkes Weiterbildung Leipzig stetig weiter. Aktuell wird die Barrierefreiheit im neuen Leipziger City-Tunnel geprüft.

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