Brauchen wir ein Assistenzhund-Gesetz?

Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Arbeit und Soziales, Anette Kramme, will sich in ihrer Funktion als Bundestagsabgeordnete für ein neues Asistenzhund-Gesetz einsetzen. Gemeinsam mit Kerstin Tack, Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion für Arbeit und Soziales, lud sie hundert Gäste dazu ein, über die Frage „Brauchen wir ein Assistenzhund-Gesetz?“ zu diskutieren.

Foto: Büro Kramme

Unter den Geladenen waren weitere Bundestagsabgeordnete sowie Vereine, die Assistenzhunde ausbilden, unter anderem HUNDE FÜR HANDICAPS und der Verein VITA-Assistenzhunde e.V. mit seiner Schirmherrin Dunja Hayali. Ziel war, die Frage zu klären, ob und wie ein Assistenzhund-Gesetz in Deutschland etabliert werden solle und könne. „Das Ergebnis unseres Treffens war eindeutig: Ja, wir brauchen ein solches Gesetz!“, schlussfolgert Kramme. „Nur mit einer gesetzlichen Grundlage können endlich die notwendigen Standards und Definitionen zum Wohl von Mensch und Tier geregelt werden.“

Der nächste Schritt zum Gesetzesvorschlag soll ein Arbeitstreffen auf Einladung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sein. Dabei sollen sich Politiker und Betroffene an einen Tisch setzen und diskutieren, welche Fragen das Gesetz abdecken und bei welchen Punkten man sich an Gesetzen im Ausland – beispielsweise in Österreich oder Katalonien – orientieren könnte. Bislang gibt es in Deutschland keine rechtliche Regelung, die die notwendige Ausbildung von Assistenzhunden und die Rechte von Halterinnen und Haltern von Assistenzhunden klärt. Beim Blindenführhund ist das anders: Er ist als medizinisches Hilfsmittel für hochgradig seh-behinderte und blinde Menschen anerkannt. Deshalb werden die Kosten seiner Ausbildung und seines Unterhalts von gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen.

Quelle: Büro Kramme

Wie wichtig ein Assistenzhund auch für Menschen mit anderen Behinderungen oder chronischen Krankheiten sein kann, wurde bei der Vorführung in den Räumen des Bundestags deutlich. Mehrere Vierbeiner von HUNDE FÜR HANDICAPS zeigten, mit welchen kreativen Assistenzleistungen sie ihre Hundehalter im Alltag unterstützen. „Ob Schnürsenkel binden, Münzen aufheben oder Schalter drücken: Unsere Vorführung hat eindrücklich klar gemacht, dass ein gut trainierter Assistenzhund seinen Menschen genau dort unterstützen kann, wo durch eine Behinderung oder chronische Erkrankung Assistenzbedarf entsteht“, sagt Sabine Häcker, Vorstandsmitglied von HUNDE FÜR HANDICAPS und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, das sie 2015 stellvertretend für den ganzen Verein angenommen hat. „Deshalb wünschen wir uns sehr, dass Assistenzhundhalterinnen und Assistenzhundhalter für ihre vierbeinigen Assistenten endlich die Rechte erhalten, die sie verdienen.“

Vorheriger ArtikelYOGA barrierefrei
Nächster ArtikelMultifunktionaler Elektrorollstuhl

Weitere Artikel

Schwerbehinderte sind gegenüber dem Arbeitgeber nur bedingt auskunftspflichtig!

Anlaufstelle „Beratung mit Handicap" rügt unrechtmäßige Fragen im Bewerbungsgespräch: Immer wieder treten Unsicherheiten darüber auf, ob ein chronisch kranker Mensch im Bewerbungsgespräch oder im Beruf...

Nachgefragt bei Simone Fischer

Seit 1993 gibt es den von den Vereinten Nationen für den 3. Dezember ausgerufenen „Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen". Simone Fischer ist die...

Drei Jahrzehnte Fachmagazin not

Zeit zum Jubeln, aber auch um die letzten Jahre einmal Revue passieren zu lassen. In der aktuellen Ausgabe berichten wir also über Vergangenes, wie...

Soziale Medien

1,858FansGefällt mir
990NachfolgerFolgen

Letzte Beiträge