Erlebnismuseen für alle

Erlebnismuseen machen Wissen lebendig. Sieben Tipps für den Winter. Erleben statt erlesen: Zeitgemäße Museen und Ausstellungen sind emotional, multimedial und interaktiv. Medienstationen, Audioguides und Mitmachangebote veranschaulichen trockene Fakten, eröffnen neue Perspektiven und hinterlassen bleibende Eindrücke.

Erfurt:
In Mitteldeutschland wirft Thüringens Landeshauptstadt Erfurt gleich in drei barrierefreien Museen Schlaglichter auf die bewegte Vergangenheit der Stadt. In die 1000-jährige Geschichte des Erfurter Petersberges vom Kloster über die Festung zum Erlebnismuseum entführt die Ausstellung im Kommandantenhaus auf der Zitadelle Petersberg. Es ist die einzige weitgehend erhaltene barocke Stadtfestung Mitteleuropas. Eine Museumsapp leitet durch die Räume und über das Festungsgelände, das Rollstuhlfahrer über einen Panoramaweg sowie einen gläsernen Aufzug erreichen. Die Ausstellung lädt zum Mitmachen ein: Mit Hammer, Säge und Kran können Besucher beispielsweise eine virtuelle Festung nachbauen.
Ebenfalls fast 1000 Jahre zurück blickt die Alte Synagoge, eine der wenigen erhaltenen Synagogen des Mittelalters. Das nach „Reisen für Alle“ zertifizierte Museum veranschaulicht die Bau- und Nutzungsgeschichte des Gebäudes und zeigt hebräische Handschriften des Mittelalters. Herzstück ist der Erfurter Schatz aus Silbermünzen, Schmuck und Geschirr. Er wurde während des Pogroms 1349 vergraben und 1998 wiederentdeckt. Ein Videoguide, der über eine Hörschleife auch für Hörgeschädigte nutzbar ist, führt durch die Ausstellung. Menschen mit Sehbehinderungen können eine Tastführung buchen.
An die jüngere Vergangenheit erinnert die ebenfalls nach „Reisen für Alle“ zertifizierte Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße. Die Dauerausstellung beschäftigt sich mit den politischen Inhaftierten der SED-Diktatur in Thüringen und mit den Menschen, die an diesem Ort 1989 das erste Mal eine Stasi-Bezirksverwaltung besetzten. In einem Mediaguide, der an der Kasse ausgeliehen werden kann, berichten Zeitzeugen in Videos von ihrer Haftzeit und der Künstler Simon Schwartz über die Fassadengestaltung eines schwarz-verspiegelten Kubus mit Motiven der Friedlichen Revolution.

Eifel:
Eine Zeitreise ins Rheinland des 16. bis 20. Jahrhunderts unternehmen Besucher des LVR-Freilichtmuseums Kommern in der Eifel. Hier wurden 79 historische Gebäude, darunter Bauernhöfe, Ställe, Werkstätten und Mühlen in der Region ab- und im 110 Hektar großen Museum, damit eines der größten seiner Art in Europa, wieder aufgebaut. Geschichte greifbar erzählen, das gehört zum Programm: An manchen Tagen schlüpfen Mitarbeiterinnen deshalb in die Rollen von Ordensschwester, Mausefallenkrämerin oder Bäuerin und berichten vom Leben in den Dörfern vor 500 Jahren. Schmied, Drechsler und Stellmacher zeigen ihr Handwerk. Vom dörflichen Alltag gelangen Gäste in die Kleinstadt „Rhenania“, die die Zeit von der französischen Besatzung im 18. Jahrhundert bis zum Wirtschaftswunder in den 1950ern beleuchtet. Schließlich tauchen sie auf dem Marktplatz Rheinland in die 1950er bis 1990er Jahre ein. Das Museum ist nach „Reisen für Alle“ zertifiziert. Menschen im Rollstuhl können das Gelände über einen rund zwei Kilometer langen barrierefreien Rundweg erkunden. Über mobile Rampen gelangen sie in viele Innenräume der historischen Gebäude. Eine Begleitperson ist empfehlenswert. Gehörlose können einen Videoguide in Gebärdensprache ausleihen und auf Voranmeldung eine Führung mit Gebärdensprachendolmetscher buchen. Für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen steht ein Museumsführer in Leichter Sprache zur Verfügung.

Ostfriesland:
Unterhaltsame und bereichernde Einblicke in die Vergangenheit geben auch Museen im Norden der Republik, in Ostfriesland. Das Ostfriesische Teemuseum im historischen Rathaus der Stadt Norden erzählt von der Geschichte des Teehandels und macht mit dem immateriellen Kulturerbe der Ostfriesischen Teezeremonie bekannt. Besucher erfahren, was es mit dem Sprichwort „dreimal ist Ostfriesenrecht“ auf sich hat, was Kluntje und Wulkje sind und wie viele Arbeitsschritte hinter einer traditionsbewusst gebrühten Tasse Tee stecken. Interaktive Stationen und ein Multimediaguide machen den Besuch des nach „Reisen für Alle“ ausgezeichneten Museums kurzweilig. Höhepunkt ist die Teilnahme an einer Ostfriesischen Teezeremonie. Auch ein Weltnaturerbe ist in Ostfriesland zu Hause: das Wattenmeer. Unweit des Teemuseums informieren die barrierefreie Seehundstation und das zugehörige Waloseum über den geschützten Lebens- und Naturraum. An Fühl- und Interaktionsstationen vertiefen Besucher spielerisch ihr Wissen über einen der größten Nationalparks Deutschlands. Highlight in der Seehundstation sind die Heuler, verwaiste Seehunde, sowie kleine Kegelrobben, die hier aufgezogen und gefüttert werden, bis sie bereit für die Auswilderung sind. Das Waloseum zeigt das Skelett eines Pottwals, der auf der ostfriesischen Insel Norderney gefunden wurde und informiert über Wale und die Vogelwelt des Wattenmeers.

Fränkisches Seenland:
Wie die Ostfriesische Teezeremonie wird auch das traditionelle Handwerk des Bierbrauens von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe geführt. Zur sinnlichen Begegnung mit dem Thema lädt das mit dem Bayerischen Museumspreis ausgezeichnete Museum „Hopfenbiergut“ im über 550 Jahre alten historischen Kornhaus der Stadt Spalt im Fränkischen Seenland ein. Die moderne, auch für Rollstuhlfahrer problemlos zugängliche Ausstellung erzählt die Geschichte der Braukunst bis heute. Mitmachen und Anfassen ist erwünscht: Besucher können die Zutaten für ein Bier betrachten, fühlen und riechen. An einem „Tischlein-deck-dich“, einem berührungsempfindlichen Bildschirm in Form einer langen Tafel, werden die Besonderheiten der Bierkultur anderer Länder erklärt. Zudem werden individuelle Führungen für Menschen mit Behinderungen auf Voranmeldung angeboten. Einen besonderen Einblick gewähren die Braukurse. Unter der Anleitung eines Braumeisters stellen die Teilnehmer ihr eigenes Bier her. Natürlich darf auch verkostet werden.

www.leichter-reisen.info/themen/kultur

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