Behinderte Leichtathleten: Ausschluss von WM und Olympia

Markus Rehm. (Foto: (CC BY 2.0, Stuart Grout)

Bei den Olympischen Spielen 2012 startete der Prothesen-Sprinter Oscar Pistorius als erster Läufer bei den Nichtbehinderten, im vergangenen Jahr wurde Weitspringer Markus Rehm Deutscher Meister bei den Nichtbehinderten. Zunächst als Zeichen geglückter Inklusion gefeiert, kam schnell die Diskussion auf, ob die Prothesen den Behindertensportlern nicht einen Vorteil verschafften.

Nun steht fest: Eine WM oder eine Olympiade, bei der behinderte und nichtbehinderte Sportler gegeneinander antreten, wird es wohl nicht mehr geben – verantwortlich ist eine Entscheidung, die der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) getroffen hat. Wie der Tagesspiegel am Dienstagmorgen berichtet, hat der Verband eine Regel verabschiedet, die die Benutzung jeglicher technischer Hilfsmittel verbietet, „es sei denn, der Athlet kann auf Grundlage von Wahrscheinlichkeiten belegen, dass der Gebrauch des Hilfsmittels ihm keinen allgemeinen Wettkampfvorteil gegenüber einem Athleten verleiht, der dieses Hilfsmittel nicht benutzt“. Weil sich genau das nicht eindeutig belegen lässt, so der Tagesspiegel weiter, bedeute das den Ausschluss.

Verbandspräsident Lamine Diack hatte am Donnerstag im Hinblick auf die Verabschiedung der neuen Regelung gesagt: „Die Idee ist, dass diese Frage nicht wieder auftaucht. Diese Athleten sollen woanders starten.“

Bei Wettbewerben, die unterhalb von Weltmeisterschaften und Olympiaden angesiedelt sind, sollen die Veranstalter künftig über die Teilnahme entscheiden. Gewertet werden soll aber auch dann nur getrennt.

Markus Rehm kommentiert die Entscheidung folgendermaßen: „Ich habe auch von dieser Entscheidung gehört, habe aber noch nichts schwarz auf weiß. Ich kann das noch gar nicht wirklich kommentieren und warte erst einmal ab.“

Präsident des Deutschen Behindertensportverbands, Friedhelm Julius Beucher sagt: „Hier entledigt sich der Weltverband scheinbar elegant, aber sehr, sehr fragwürdig dieses Problems durch die Umkehr der Beweislast. Wer so handelt, dem liegt nichts an der Inklusion. Athleten, die einen Nachteil haben, weil ihnen ein oder zwei Beine fehlen, sollen beweisen, dass sie keinen Vorteil haben. Das stellt die Fairness auf den Kopf.“

AWS

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