Ultraschall macht Ursache von Schulterschmerzen unmittelbar sichtbar

csm_Ultraschall_Jörg_Brinckheger_pixelio.de_03_63daf9d59dBei Sehnenrissen, Entzündungen oder Verkalkungen am Schultergelenk liefert eine Ultraschalluntersuchung genauso zuverlässige Ergebnisse wie die aufwändigere und teure Magnetresonanztomografie (MRT). Doch obwohl die Sonografie schnell verfügbar und strahlungsfrei ist, kommt sie seltener zum Einsatz. Auf einer Pressekonferenz in Berlin erklärten Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM), welche Vorteile die Methode für die Patienten bietet und welche Voraussetzungen für deren angemessene Anwendung geschaffen werden müssen.

 „Wenn sie durch einen qualifizierten Untersucher und mit einem modernen Gerät erfolgt, ist die Sonografie das Mittel der Wahl für eine schnelle und richtige Diagnose bei Schulterproblemen“, sagt Dr. med. Rainer Berthold, Leiter der DEGUM-Sektion Bewegungsorgane. Bei der häufigen „Ruptur der Rotatorenmanschette“ etwa, also einem Riss der Sehnenhaube am Oberarmkopf, zeigen Untersuchungen, dass Ultraschall und MRT gleich gute Ergebnisse liefern. „Die neuste Meta-Analyse kommt sogar zu dem Ergebnis, dass die Ultraschall-Untersuchung hier überlegen ist“, betont Berthold.

 „Ein großer Vorteil der Sonografie ist, dass wir die Patienten ‚dynamisch‘, also in Bewegung, untersuchen und dabei gezielt die schmerzenden Muskeln und Sehnen ansehen können“, erklärt der Experte. Dennoch verzichten Ärzte in der Praxis häufig auf die Untersuchung. „Neben Operationen, Patientenversorgung und Bürokratie findet sich häufig nicht die Zeit für die etwa fünf bis 15 Minuten dauernde Untersuchung, zumal diese im ambulanten Bereich von der Krankenkasse nicht adäquat vergütet wird“, bemängelt Berthold, der in Wetzlar Teilhaber einer orthopädischen Praxisgemeinschaft ist. Eine MRT-Anforderung hingegen sei schnell ausgestellt.

Für die Patienten kann dies eine unnötige Verzögerung des Therapiebeginns und damit verbundene Schmerzen bedeuten. „In meine Praxis kommen Patienten, die wochenlang auf eine MRT-Untersuchung gewartet haben, obwohl mit der Sonografie eine sofortige Diagnose möglich gewesen wäre“, berichtet der Ultraschallspezialist.

Auch die Strahlenschutzkommission empfiehlt in ihren „Orientierungshilfen für Bildgebung“ bei Schmerzen im Schultergelenk nach der körperlichen Untersuchung die Sonografie als Basisuntersuchung einzusetzen. Röntgen und MRT sollten demnach nur bei besonderen Fragestellungen oder einer geplanten Operation zum Einsatz kommen. In der Praxis würden diese Empfehlungen allerdings kaum umgesetzt.

Im Interesse der Patienten sind aus Sicht der DEGUM Verbesserungen in der Ausbildung der Untersucher, Ausstattung mit modernen Geräten und die Integration in aktuelle Therapiekonzepte wünschenswert. „Dazu müssen dann auch die notwendige Zeit und adäquate Vergütung zur Verfügung stehen“, forderte die DEGUM auf der Pressekonferenz.

 

Literatur

  • Orientierungshilfe für bildgebende Untersuchungen, Strahlenschutzkommission: www.ssk.de
  • Validität der sonographischen Untersuchung des Schultergelenkes, R.Kayser et al., Ultraschall in der Medizin 2006, 26
  • Ultrasound measurement and grading of rotator cuff and shoulder joint disease in patients with inflammatory arthritis: a reliability study. Desini L et al., Ultrasound August 2012   Vol. 20 no.3; 142-148
  • Diagnostik accuracy of ultrasonography, MRI and MR arthrography in the characterisation of rotator cuff disorders: a systematic review and meta-analysis, Roy J-S et al.,. Br J Sports Med 2015;49:1316-1328

Über die DEGUM

Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint rund 10.000 Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten, Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: www.degum.de

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