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Vor zwanzig Jahren hat die Para Eishockey-Nationalmannschaft zuletzt an den Paralympics teilgenommen. Bei den diesjährigen Spielen in Mailand und Cortina (6. bis 15. März) hat es mit der Qualifikation endlich wieder geklappt. Mit Weltklassegegnern in der Gruppe wird die Vorrunde alles andere als einfach. Doch genau darauf freut sich das deutsche Team – sich auf großer Bühne mit den Besten der Besten zu messen.
Blickt man auf den deutschen Para Eishockey-Kader, lassen sich viele besondere Geschichten erzählen. „Wir haben eine Mannschaft mit vielen Charakteren, die alle das Herz am rechten Fleck haben“, sagt Trainer Peter Willmann über seine „Jungs“. Da wäre Leopold Reimann, der erst vor rund zwei Jahren vom Para Rudersport auf das Eis wechselte. Oder Jan Malte Brelage, der auf einem Supermarktparkplatz erstmalig zum Para Eishockey-Training eingeladen wurde und drei Jahre später das Team als Kapitän bei den Paralympics anführt. Und natürlich das Quartett aus Jörg Wedde, Sven Stumpe, Sebastian Disveld und Frank Rennhack, das bei der letzten Paralympics-Teilnahme 2006 schon dabei war. „Wir haben damals das erste Spiel gegen die Amerikaner sehr überraschend gewonnen. Danach war alles für uns in rosa Watte eingepackt“, erinnert sich Jörg Wedde an das Turnier in Turin zurück. Wedde ist mit 60 Jahren der älteste Spieler im Team und zugleich im gesamten deutschen Aufgebot bei den Paralympics.
Jano Bußmann war mit seinen 18 Jahren dagegen noch gar nicht geboren, als die deutsche Mannschaft in Italien den vierten Platz holte. „Ich kann es noch nicht so richtig glauben“, sagt der Spieler vom TuS Wiehl über seine erste Paralympics-Teilnahme. Neben ihm debütieren zwölf andere Spieler in Mailand. Keiner ist so jung wie Bußmann, für einige ist es die Belohnung nach jahrelanger harter Arbeit, die dennoch nie für die Paralympics-Qualifikation gereicht hat. Bis zur WM 2025 im US-amerikanischen Buffalo. Mit einem 5:2-Sieg über die Slowakei sicherte sich das deutsche Team dort überraschend den fünften Platz – und das Ticket für Mailand 2026.
„Die Mannschaften auf Rang fünf bis zehn in der Weltrangliste sind alle sehr eng zusammen. Da kann in den Qualifikationsturnieren alles passieren. Dieses Mal haben die Jungs die entscheidenden Spiele gewonnen und sich so die Paralympics verdient“, betont Peter Willmann. Der Cheftrainer ist erst seit November im Amt, zuvor hatte er jahrelang Erfahrung als Physiotherapeut der olympischen US-Nationalmannschaft und als Trainer der Hannover Indians im Fußgängerbereich gesammelt.

In den letzten Monaten leitete er seine Mannschaft in vier intensiven Trainingslagern an. Gemeinsam wurde die vergangene WM analysiert. Trotz der starken Leistungen in Buffalo gebe es noch einige Dinge zu verbessern, sagt Willmann. Denn: Um in Mailand zu überraschen, müsse für die deutsche Mannschaft alles passen. Die Gruppengegner heißen schließlich China, USA und Italien. Vor allem die USA sind ein heißer Kandidat für die Goldmedaille, aber auch China wird als Favorit in das Duell mit Deutschland gehen. Und Italien wird als Gastgeber nicht nur durch das Heimpublikum beflügelt, sondern hat im Vorfeld der Paralympics auch viel in sein Para Eishockey-Nationalteam investiert. „Es ist schön, gegen solche Mannschaften zu spielen, da lernt man etwas dazu“, blickt Willmann den Spielen mit Vorfreude entgegen.
Dass Deutschland dort größtenteils als Außenseiter an den Start geht, liegt laut Willmann auch an den besseren Bedingungen in Ländern wie beispielsweise den USA. So könnten die Spieler dort etwa viel öfter trainieren. In Deutschland dagegen hatte der frischgebackene Meister aus Hannover die Eishalle nur einmal in der Woche zur Verfügung – um 22.30 Uhr. Der Verein stellt vier Nationalspieler in Mailand: Jan Malte Brelage, Simon Kunst, Felix Schrader und Jörg Wedde.
Trotz dieser widrigen Bedingungen ist der Traum von den Paralympics für die Spieler wahr geworden. Diese bemerkenswerte Leistung ist laut Willmann schon ein Erfolg für sich: „Mit der Qualifikation haben wir das Ziel schon erreicht. Wir sind hier und berühren das paralympische Eis. Alle reden immer von Medaillen, aber die legt man sich nach den Spielen in die Schublade. Was im Kopf bleibt, das sind die Erinnerungen.“ Diese Einstellung hat sein Team verinnerlicht, das sich riesig auf das Event Paralympics freut. Stürmer Felix Schrader sagt: „Wir werden ganz viel Spaß haben. Das ist eine Zeit, die man so nie wieder erlebt.“
Darüber hinaus erhofft sich Peter Willmann durch die Paralympics einen Schub für die Sportart: „Durch die mediale Berichterstattung sind die Winterspiele sehr wichtig für die Entwicklung von Para Eishockey.“ Im besten Fall sorgt das auch für eine Verbesserung der Bedingungen, mehr Nachwuchs, bessere Strukturen – und erneute Paralympics-Teilnahmen. Nach 2026 möchte schließlich niemand nochmal zwanzig Jahre warten.
Text: Paul Foreman / DBS
Foto: Florian Schwarzbach / DBS



