Rothfuss und Schmiedt tragen die deutsche Fahne bei der Abschlussfeier

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Sie hat sich nach Depressionen zu ihren sechsten Paralympics gekämpft und über 20 Jahre den deutschen Para Ski alpin-Sport mit Medaillen versorgt, er rettete als Einzelkämpfer die junge Sportart Para Snowboard: Jetzt dürfen Andrea Rothfuss und Christian Schmiedt bei der Abschlussfeier der Paralympics in Cortina d’Ampezzo am Sonntag die deutsche Fahne tragen.

Andrea Rothfuss vom Team Deutschland im Einsatz am dritten Tag der Paralympischen Winterspiele
Andrea Rothfuss vom Team Deutschland im Einsatz am dritten Tag der Paralympischen Winterspiele

Andrea Rothfuss brach in Tränen aus, als sie am Abend vor ihrem letzten paralympischen Rennen im Slalom erfuhr, dass sie die deutsche Fahne schwingen darf. Rothfuss hatte 2006 bei den Paralympics in Turin als 16-Jährige ihr Debüt gegeben und im Riesenslalom Silber gewonnen. Es folgten 13 weitere Medaillen bei Winterspielen, 2014 kürte sie sich im Slalom sogar zur Paralympics-Siegerin.

Vor ihrer sechsten Paralympics-Teilnahme war die 36-Jährige vom SV Mitteltal aufgrund von Depressionen fast zwei Jahre raus aus dem Wettkampfgeschehen, kämpfte sich noch rechtzeitig zurück und fuhr in Cortina d’Ampezzo im Super G sowie im Riesenslalom auf starke vierte Plätze, in der Super-Kombination wurde sie Sechste. „Es war schon irgendwie speziell, ich konnte es gar nicht glauben. Dass einem Athleten diese Ehre einmal zuteilwird, ist schon etwas ganz Besonderes. Noch ein zweites Mal die Fahne tragen zu dürfen bei meinen letzten Spielen, ist einfach unbeschreiblich. Das ist so eine tolle Wertschätzung von der Mannschaft, vom Verband“, sagt Rothfuss, die 2014 in Sotschi bei der Eröffnungsfeier bereits die deutsche Fahne getragen hatte: „Es hätte keinen schöneren Abschluss für mich geben können bei den Spielen.“

Gemeinsam mit Rothfuss wird Christian Schmiedt die deutsche Fahne präsentieren. Der 37-Jährige vom SV Camp2Race ist Deutschlands einziger Para Snowboarder. In Cortina d’Ampezzo wurde er im Snowboard Cross Neunter, im Banked Slalom Zehnter – als bester Nicht-Profi. Obwohl er nach seinem Paralympics-Debüt 2022 in Peking mit Hausbau, junger Familie und Vollzeit-Job neben dem Sport noch viele andere Aufgaben hatte, entschied er sich, bis 2026 in Cortina d’Ampezzo weiterzumachen, sagte: „Ich hatte Angst, dass die Sportart sonst stirbt.“

„Herausragender Botschafter“ und eine „Mutmacherin für viele andere Menschen“

Christian Schmiedt vom Team Deutschland in Aktion am zweiten Tag der Paralympischen Winterspiele
Christian Schmiedt vom Team Deutschland in Aktion am zweiten Tag der Paralympischen Winterspiele

In Cortina d’Ampezzo machte er Werbung für seinen Sport, betonte stets die Wichtigkeit der öffentlichen Wahrnehmung für Para Snowboard und schloss auch nicht aus, bis 2030 in den französischen Alpen weiterzumachen: „Es wäre nur schön, wenn ich künftig nicht mehr so alleine unterwegs sein muss.“ In Peking 2022 waren noch drei deutsche Para Snowboarder am Start, 2018 gar keiner. Jetzt ist Schmiedt Fahnenträger. „Dass die Wahl auf mich fallen könnte, damit hätte ich überhaupt gar nicht gerechnet und bin völlig überrascht. Es ist etwas ganz Besonderes. Ich freue ich sehr und werde die deutsche Fahne ordentlich schwingen“, sagt der Auserwählte.

Marc Möllmann, Chef de Mission des Team Deutschland Paralympics und Vorstand Leistungssport im Deutschen Behindertensportverband, begründet die Entscheidungen: „Christian Schmiedt ist nicht nur ein Pionier in seiner Sportart, sondern hat auch dafür gesorgt, dass Para Snowboard hierzulande weiter stattfindet – das ist immens wichtig für die Vielfalt des Para Sports in Deutschland. Dazu ist er ein herausragender Botschafter nicht nur für Para Snowboard, sondern auch darüber hinaus“, sagt Möllmann und fügt an: „Andrea ist eine tolle Persönlichkeit und mit ihrem offenen Umgang mit mentalen Problemen und psychischen Erkrankungen auch ein Vorbild sowie eine Mutmacherin für viele andere Menschen. Gleichzeitig blickt sie auf eine großartige Karriere, die sie hier mit grandiosen Rennen unterstrichen hat.“

Bei der Abschlussfeier der Paralympics, die am Sonntag um 20.30 Uhr im Curling-Stadion in Cortina d’Ampezzo steigt, wird neben dem Fahnenträger-Duo auch die deutsche Para Ski alpin-Nationalmannschaft teilnehmen.

 

Text: Nico Feißt / DBS

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