Ein Technischer Service, der die Paralympischen Winterspiele bewegt

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Wenn auf der Piste Sekunden entscheiden, muss die Technik bei Hilfsmitteln und Sportgeräten stimmen – und genau da kommt Ottobock ins Spiel. Nachdem die Paralympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 am Sonntag mit der Closing Ceremony im Stadio Olimpico del Ghiaccio, dem olympischen Curling Stadion in Cortina, zu Ende gegangen sind, zieht Ottobock Bilanz: 488 Reparaturen führten die Technikerinnen und Techniker des deutschen MedTech-Unternehmens an allen drei Standorten der Paralympischen Dörfer – Mailand, Cortina d’Ampezzo und Predazzo – durch.

Das 86-köpfige internationale Expertinnen und Experten-Team übernahm die technische Verantwortung für Rollstühle, Prothesen, Orthesen, Sledges, Monoskis und andere Hilfsmittel in den drei Hauptwerkstätten und an mobilen Servicestationen direkt an den Wettkampfstätten. 41 Prozent der Reparaturen entfielen dabei auf Rollstühle, 15 Prozent auf Prothesen und bei 11 Prozent waren es Orthesen, die wieder einsatzfähig gemacht werden mussten. Direkt an den Wettkampfstätten führten die Teams 18 Notfalleinsätze aus und sorgten so dafür, dass die Athletinnen und Athleten überhaupt an den Start gehen konnten, manchmal in letzter Minute. Neben dem reinen Sportgerät, wurden dabei auch 346 Alltags-Hilfsmittel repariert – kostenfrei und herstellerunabhängig für alle Athletinnen und Athleten und Teammitglieder.

„Unsere Werkstatt ist der Ort, an dem aus Problemen Lösungen werden. Die Athletinnen und Athleten kommen mit einer Herausforderung – und gehen mit der Gewissheit, wieder voll angreifen zu können. Genau das ist der Grund, warum unsere Werkstatt so wichtig ist“, sagt Peter Franzel, Head of Global Exhibitions, Events & Sports und bei Ottobock seit 2008 hauptverantwortlich für die Organisation des Technischen Service.

Auch prominente Gäste unterstreichen die Bedeutung der Repair Service Ceter für die Paralympische Bewegung. Andrew Parsons, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, sagte beim Besuch der Werkstatt in Cortina d’Ampezzo. „Dieser Service ist unverzichtbar, denn wenn etwas am Equipment kaputtgeht, können die Athletinnen und Athleten nicht antreten. Die Techniker helfen ihnen, sich fortzubewegen und zu konkurrieren – und ermöglichen ihnen so, die Welt zu inspirieren und zu begeistern.“

Kreativität trifft Präzision: Hosen kürzen, Orthesen bauen, Flöte reparieren

Der Winter in den Alpen zeigte sich von allen Seiten. Und das sorgte dafür, dass nicht nur an Ski, Schlitten und Prothesen gearbeitet werden musste, sondern auch an der Kleidung. Bei warmen Bedingungen wünschten sich Para Langlauf‑ und Para Biathlon‑AthletInnen gekürzte Hosen und Shirts, um beim Wettkampf nicht zu überhitzen. Ottobock‑Technikerinnen und -Techniker passten die Kleidung vor Ort an oder nähten Mützen zu Stirnbändern um, auch für einen zweifachen deutschen Medaillengewinner, bei dem die „kurzen Hosen“ zu einem echten Glücksbringer wurden.

Auch ein französischer Skifahrer suchte Unterstützung im Ottobock Repair Service Center. Mit einem gebrochenen Daumen an der rechten Hand bat er um eine Handschiene, damit der Finger während des Riesenslaloms nicht ungeschützt gegen die Tore schlägt. Zwei Orthopädietechniker entwickelten daraufhin eine kreative Lösung: Sie fertigten zunächst einen Gipsabdruck von der Hand im Skihandschuh, die dabei den Skistock hält. Auf Basis dieses Modells erstellten die Techniker ein präzises Gipsnegativ, das sie anschließend mit Folie, mehreren Lagen Carbonfaser und Kunstharz weiterverarbeiteten. Unter Unterdruck formten sie das Material passgenau aus. So entstand eine maßgeschneiderte Schiene, die den Daumen des Athleten im Rennen optimal schützte.

Für ein Schmunzeln im Repair Service Center sorgte eine ungewöhnliche Aufgabe: Ein mexikanisches Teammitglied brachte eine Flöte vorbei mit einem feinen Riss im Mundstück aus Tierknochen. Die Töne klangen dadurch nicht mehr sauber. Ein Techniker füllte den Spalt sorgfältig mit Siegelharz und schliff die Oberfläche glatt. Schon kurz darauf erklang die Flöte direkt in der Werkstatt wieder klar.

Über diese besonderen Fälle hinaus reichte die Bandbreite der Reparaturen von Rahmenschweißarbeiten an Rollstühlen und Para Eishockeyschlitten über den Ersatz von Kugellagern bis zur präzisen Anpassung von Ski‑Prothesen, etwa das Kürzen und Sichern von Schrauben oder das Nacharbeiten von Sitzschalen. Schon in den Trainingstagen vor den Wettkämpfen sorgten solche Reparaturen für einsatzbereites Equipment.

Mit Leidenschaft zu den nächsten Spielen

„Passion for Paralympics ist für uns kein Slogan – es ist unser Antrieb. Unsere Techniker in Mailand, Cortina und Predazzo haben wieder einmal gezeigt, was passiert, wenn Know-how, Leidenschaft und Teamgeist zusammenspielen“, so Franzel. „Genau diesen Spirit nehmen wir nun mit auf die Reise zu den kommenden Paralympischen Spielen 2028 in Los Angeles und 2030 in den französischen Alpen. Die Vorbereitungen laufen bei Ottobock bereits auf Hochtouren.“

 

 

Foto: (c)ottobock

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