BCON ermöglicht Teilhabe

 

Es gibt zahlreiche Hilfsmittel, die körperlich eingeschränkten Menschen 

dabei helfen, wieder am Leben teilhaben zu können. Augensteuerungen, 

Mund-Maussteuerungen und viele weitere sind seit Jahren bei Betroffenen etabliert. 

Das junge Karlsruher Startup BCON hat eine neuartige Bewegungssteuerung entwickelt.

Auf den ersten Blick sieht es un-

 scheinbar aus. Das kleine Gerät

   passt in die Handfläche und das Design kann durchaus überzeugen. Mithilfe einer Schlaufe kann die Bewegungssteuerung BCON am Bein, am Arm, an der Hand und sogar am Kopf angebracht werden. Das kleine Gerät ist dabei über Bluetooth mit einem Smartphone oder dem PC koppelbar und kann als Eingabegerät für nahezu alles benutzt werden, was über einen Tastendruck funktioniert. Da man dem kleinen Gerät komplett individuell Funktionen zuweisen kann, ist der BCON auf nahezu jede körperliche Einschränkung anwendbar und unterstützt den Nutzer bei der Eingabe von Befehlen. Je nach Neigungsgrad erkennt der Gyrosensor, welcher Tastendruck ausgeführt wird. So ist es beispielsweise Schlaganfall-Patienten oder Menschen im Rollstuhl möglich mit einer Hand Steuerungen vorzunehmen und mit der anderen Hand Kurzbefehle über den BCON einzugeben. Der Vorteil: Das Gerät funktioniert nach entsprechender Einstellung mit jedem Anwendungsprogramm. Wer in Photoshop die Ebenen wechseln möchte, kann das mit dem BCON genauso schnell durchführen, wie Befehle in Videospielen einzugeben. Auch Schreibprogramme lassen sich zuverlässig und präzise damit steuern und selbst Drohnen können mit dem kleinen Gerät ohne besondere Vorkenntnisse gesteuert werden.

Reine Kopfsache

Dennis Winkens ist das Gesicht der ­„Aktion Mensch“ und hat den BCON selbst getestet. Der 27-Jährige ist seit einem Unfall vom Hals abwärts gelähmt. Dennoch ist der junge Mann technikbegeistert und sagt selbst „die Technik ist mein Tor zur Welt“. Mit dem BCON am Kopf angebracht konnte Winkens im beliebten PC-Spiel „Fortnite“ Forts bauen und die Auswahl der verschiedenen Materialien und Formen vornehmen. Bei einer Neigung von fünf Grad beispielsweise konnte bei dem Spiel das Material gewählt werden, mit einer Neigung von zehn Grad bestimmte er die Bauform. Der Anwendungsbereich ist für jedes digitale Programm mit Tastendruck anwendbar, ein Vibrationssensor sorgt für das nötige ­haptische Feedback, wenn der Nutzer 

das wünscht. Die unterschiedlichen LED-Farben auf dem Gerät zeigen dem Nutzer an, in welchem Modus sich der BCON ­befindet, so kann jeder Anwender mit einem Blick erkennen, ob das Gerät gekoppelt ist, geladen werden muss oder sich gerade einschaltet. Der Akku soll laut Peter Stein, Mitgründer des Startups, sechs bis acht Stunden durchhalten. In die Halterung mit Magnet kann durch einfaches Entfernen und Wiedereinsetzen der BCON gewechselt werden, sollte der Akku einmal den Geist aufgeben. Das Gerät bietet Betroffenen mit unterschiedlichen Handicaps die Möglichkeit, wieder mehr am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, sei es durch Spiele, Anwendungen am PC oder am Smartphone. Dabei ist es egal, ob jemand Para- oder Tetraplegiker ist, eine Spastik aufweist, einen Schlaganfall hatte oder Prothesen trägt: Mit dem BCON wird die Teilhabe am Leben ein großes Stück leichter.

Weiterentwicklung geplant

Derzeit kann der BCON individuell auf Tastensteuerung angepasst werden. „Der nächste Schritt wird sein, dass dieser Bewegungsabläufe erkennen soll. Das haben wir uns für 2019 vorgenommen“, so Peter Stein. Da es möglich ist so viele BCONs zu verwenden, wie das Empfangsgerät an Bluetoothverbindungen besitzt, besteht die Möglichkeit auch mehrere Geräte gleichzeitig zu verwenden. So kann ein beidseitig Armamputierter zum Beispiel mit beiden Armen Steuerungen vornehmen, die selbst mit einer hochentwickelten Prothese in dieser Form nicht möglich wären. „Welche Möglichkeiten sich mit dem BCON auftun, wird uns selbst erst nach und nach dank der Rückmeldungen unser Anwender bewusst“, verriet Mitgründer Carsten van Husen.

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