Para Biathlon: Emotionale Medaillen im Einzel

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Marco Maier (SV Kirchzarten) wird bei den Paralympics über die 12,5 Kilometer wie schon im Sprint tags zuvor Dritter bei den Männern stehend und widmet Bronze seiner im Dezember verstorbenen Mutter. Johanna Recktenwald (Biathlon-Team Saarland) läuft bei den Frauen mit Sehbehinderung wenig später ebenfalls zu Bronze. Im anschließenden Interview laufen die Tränen. „Das ist ein riesiger Traum, der in Erfüllung geht“, sagt sie.

Johanna Recktenwald mit Guide Emily Weiss © Daniel Kopatsch / VOIGT / DBS
Johanna Recktenwald mit Guide Emily Weiss © Daniel Kopatsch / VOIGT / DBS

Die deutsche Para Ski-nordisch-Nationalmannschaft surft bei den Paralympics weiter auf der Erfolgswelle. Drei Medaillen hatte es zum Auftakt am Samstag gegeben, drei kamen am Sonntag hinzu. Für Anja Wicker (MTV Stuttgart, Silber am Vormittag bei den Frauen sitzend) und Marco Maier waren es die zweiten bei diesen Spielen, für Johanna Recktenwald und ihre Begleitläuferin Emily Weiss eine Premiere.

Im Rennen der Frauen mit Sehbehinderung legte Recktenwald mit einem fehlerfreien Schießen die Grundlage für Platz drei hinter Yue Wang (China, 34:57.9 Minuten, ein Fehler) und Simona Bubenickova (Tschechien, 36:43.9 Minuten, ein Fehler). Die deutsche Weltmeisterin im Para Biathlon-Einzel kam im Ziel auf eine Zeit von 37:05.2 Minuten. „Mega happy“ sei sie, berichtete Recktenwald und blickte mit zittriger Stimme zurück auf die vorherigen Paralympics vor vier Jahren und die damals knapp verpassten Medaillen. „Peking war eine super harte Zeit, auch danach noch. Dass es jetzt geklappt hat, ist super cool.“

Marco Maier © Daniel Kopatsch / VOIGT / DBS
Marco Maier © Daniel Kopatsch / VOIGT / DBS

Beim vierten Schießen machte es die in Freiburg lebende Saarländerin noch einmal spannend, als sie vor dem allerletzten Schuss einige Sekunden zögerte. „Da ging der Kopf an. Ich habe mir gedacht, dass der jetzt nicht daneben gehen darf. Ich war eigentlich die ganze Zeit im Ziel, habe mich aber nicht getraut abzudrücken. Zum Glück ist es dann gut gegangen.“ Emily Weiss verriet: „Ich habe sehr gezittert. Als Johanna getroffen hat, wusste ich, jetzt schaffen wir das.“ Leonie Walter (SC St. Peter, mit Guide Christian Krasman) und Linn Kazmaier (SZ Römerstein, mit Guide Florian Baumann) komplettierten als Fünfte und Sechste das gute deutsche Mannschaftsergebnis.

Marco Maier beweist sich im starken Feld erneut

Einen chinesischen Sieger gab es auch bei den Männern in der stehenden Konkurrenz. Dort war Jiayun Cai wie schon im Sprint am Samstag Schnellster. Er gewann in 30:24.1 Minuten vor Mark Arendz (Kanada, +28,4 Sekunden) und Marco Maier (43,2 Sekunden hinter Cai). Alle drei hatten sich in ihrem Rennen eine Strafminute geleistet. „Der eine Schießfehler ist ärgerlich, aber das kann passieren und gehört dazu im Biathlon. Dass es trotzdem zu Bronze gereicht hat, ist umso schöner“, sagte der 26-Jährige, der sich das Rennen nach erst kürzlich überstandener Krankheit gut einteilte.

Der Bundestrainer Ralf Rombach nannte Maiers Leistung „sensationell gut“. Der Bronzemedaillen-Gewinner selbst war in Gedanken bei seiner Mutter. Die war im Dezember 2025 nach schwerer Krankheit gestorben. Papa Florian trug auf der Tribüne im Tesero Skilanglauf-Stadion ein Foto von ihr bei sich. „Sie wollte so gerne hier dabei sein und mich live laufen sehen. Das hat leider nicht geklappt. Die zwei Medaillen sind für sie“, sagte Marco Maier.

Alexander Ehler © Daniel Kopatsch / VOIGT / DBS
Alexander Ehler © Daniel Kopatsch / VOIGT / DBS

Alexander Ehler (SV Kirchzarten) und Steffen Lehmker (WSV Clausthal-Zellerfeld) belegten bei den Männern stehend die Plätze elf und 13. Die beiden deutschen Starter mit Sehbehinderung, Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg, mit Guide Robin Wunderle) und Lennart Volkert (PSV München, mit Guide Nils Kolb) hielten läuferisch mit der Konkurrenz gut mit, leisteten sich aber zu viele Schießfehler. Messinger verfehlte fünf Scheiben und wurde Achter, Volkert kam nach sieben Fehlern auf Rang zehn.

Der Mannschaft steht nun eine Pause bevor. „Wir verschnaufen einen Tag und bereiten uns auf die Langlauf-Wettbewerbe vor“, sagte der Bundestrainer Ralf Rombach. Am Dienstag folgt in Tesero der Klassik-Sprint, am Mittwoch das Rennen über zehn Kilometer ebenfalls in der klassischen Technik.

 

 

Text: Benjamin Schieler / DBS
Foto: Vorname Nachname / DBS

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